Spinnen und mehr bei Jörg Dallmann

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Informationen über Spinnen

   •   Vogelspinnen und        ihre Verwandten

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Acanthoscurria geniculata


 Brachypelma albopilosa


    Brachypelma boehmi


     Brachypelma smithi


Chilobrachys guangxiensis


      Cupiennius salei


  Cylosternum fasciatum


       Heteropoda boiei


Megaphobema robustum


         Nephila edulis


   Poecilotheria fasciata


    Poecilotheria regalis


Psalmopoeus cambridgei


    Psalmopoeus irminia


     Theraphosa blondi


Spinnen

Mein größtes Hobbie sind Spinnentiere jeglicher Art. Ich beschäftige mich mit ihnen schon sehr lange. Schon als Kind habe ich Spinnen im Garten und in der Natur gesammelt und in Marmeladengläser gesperrt, um sie zu beobachten. Bereits zu diesen Zeitpunkt war ich in sie vernarrt. Es ist die Art sich zu bewegen, ihr Aussehen und natürlich die Art und Weise, wie sie Beute machen, die mich fasziniert. Das hat mich dazu gebracht, bis heute diesem Hobby treu zu bleiben und nicht nur einheimische Arten sondern auch Spinnen aus der ganzen Welt zu halten.

Dabei gibt es genauso viele Unterschiede, wie unter uns Menschen. Es gibt Spinnen, die in Baumgipfeln wohnen und welche, die ihr Leben lang kein Tageslicht zu Gesicht bekommen. Da gibt es Spinnen, die riesige Netze bauen, teilweise mit mehreren Millionen Tieren darin wohnen und gemeinsam Beute machen und wiederum Arten, die Einzelgänger sind, keine Beutenetze weben, dafür aber fliegende Insekten von Mauern und Bäumen aus anspringen, um sie zu fangen. Es gibt Spinnen, die man mit dem bloßem Auge nicht sehen kann und wiederrum Arten, die sogar Mäuse, Fische und kleine Vögel erbeuten und die Spannweite eines Fühstücktellers erreichen. All diese Eigenschaften und Unterschiede scheinen einem jedoch eher gering, wenn man bedenkt, daß es auf der Welt über 52.000 verschiedene Spinnenarten gibt. Spinnenforscher gehen davon aus, daß noch zigtausende weitere Arten existieren. Eine ziemlich realistische Einschätzung, wenn man sich in der Systematik der Tiere ein wenig auskennt und die Umordnungen und Neuordnungen anschaut. Jedes Jahr erscheinen zahlreiche Neubeschreibungen und das wird auch noch lange Zeit so weitergehen, denn der Forschungsdrang bei Spinnentieren war nie größer, als heutzutage.

Was mit Spinnen in Marmeladengläsern anfing, ist heute so herangereift, daß ich an Grundschulen an Projekttagen unterrichte und jede Menge Anschauungsmaterial in Form von lebenden Spinnen den Kindern mitbringe. Dabei erstaunt es mich immer wieder, mit welchen Wissenhunger die Kinder alles erfahren wollen. Auch für die Systematik interessiere ich mich sehr. Darum handelt hier ein eigenes Kapitel von der Systematik.

Lange Rede kurzer Sinn, ich hoffe daß ich Laien, wie auch Profis Wissen und Erfahrungen mit und über Spinnen in den nächsten Kapiteln vermitteln kann. Viel Spass!


Vogelspinnen und ihre Verwandten

Es gibt weltweit rund 52.000 Spinnenarten. In Deutschland leben alleine etwa 1000 Arten. Um Euch einen Einblick zu geben, welch teils skurile Gestalten dazu gehören hier eine kleine Übersicht:


Ordnung: Skorpione (Scorpiones)

Sie sind neben Spinnen die in Terrarien am meisten gepflegten Arachnida. Die Taster bilden am Endglied scherenartige Werkzeuge, mit denen Skorpione ihre Beute festhalten. Aber auch zum Ergreifen von Geschlechtspartnern dienen die Scheren. Der Hinterleib ist siebenfach gegliedert. Das Postabdomen ist füngliedrig und endet in einen Giftstachel. Allerdings sind wenige Skorpionarten für den Menschen lebensgeährlich. Skorpione sind lebendgebährend. 600 Arten werden jedes Jahr regelmäßig importiert. Der zu den größten Skorpionen zählt.

                Pandinus Imperator


Ordnung: Geißelskorpione (Uropygi)

Erstes Beinpaar dient als Tastorgan. Es ist viel dünner, als die übrigen Beinpaare gebaut. Die Taster sind klauenartig. Am Ende des Postabdomen befindet sich ein langer Faden. An dessen Ansatz befinden sich Drüsen, mit denen der Geißelskorpion ein übelriechendes Sekret aus Ameisensäure und Essigsäure bis zu einem halben Meter weit versprühen kann. Wie Skorpione lebendgebährend. Es sind 180 Arten beschrieben.

            Mastigoproctus giganteus


Ordnung: Geißelspinnen (Amblipygi)

Erstes Beipaar bildet zu bis 25 Zentimeter lange Tastorgane. Taster wie bei Geisselskorpionen zu Fangmasken umgewandelt. Segmentierter Hinterleib wie bei den Webspinnen, deutlich vom Vorderkörper durch Hinterleibsstiel getrennt und gegeneinander beweglich. Wahrscheinlich nächste Verwandtschaft der Webspinnen. Keine Giftdrüsen. Kein Postabdomen. 60 Arten.

    Acathophrynus coronatus


Ordnung: Walzenspinnen (Solifugae)

Körper spinnenähnlich. Abdomen in zehn Segmente unterteilt. Chelizeren ohne Giftdrüsen, zu pinzettenartigen Schneidzangen umgewandelt. Pedipalpen sind beinlange Tastorgane mit ausstülparen Haftblasen. Die Beisswerkzeuge dominieren den Kopfteil. Sehr empfindliche Körperbehaarung. Nachtaktive Wüstenbewohner. Schnelle Läufer, geschickte Insektenjäger. Begehrte Terrarienbewohner, aber schwierig zu halten, nur für Fachleute geeignet. Cirka 600 bekannte Arten.

 Walzenspinne der Gattung Galeodes


Ordnung: Milben (Acari)

Mit etwa 4000 Arten grösste Ordnung. Durchweg kleine bis kleinste Arachniden Milben 0,1 bis 2 Millimeter, Zecken bis 30 Millimeter). Atmung meist über die Haut. Sehr unterschiedliche Lebensweisen und damit äusserst vielgestaltige Ausbildung der Fresswerkzeuge vom Saugrüssel der saugenden Arten bis zu kleinen Schneidzangen der Raubmilben. Einige Arten besitzen Spinndrüsenausgänge zwischen den Chelizeren. Viele Arten sind wasserlebend, auch in anderen flüssigen Medien wie Wein (Weinmilben). Parasitisch am Menschen ist zum Beispiel die "Krätze" hervorrufende Krätzmilbe. Terraristisch von sehr grosser Bedeutung als Schädlinge in Futtertierzuchten;    Parasiten auf oder in Terrarientieren und damit Überträger von Infektionskrankheiten, sekundär    auch auf Menschen. Sie sind Verursacher von Reizungen und Allergien (Hausstaubmilbe):    Parasiten an Pflanzen, Lästlinge in Terrarien; symbiotisch lebende Arten zum Beispiel zwischen    den Chelizeren von Spinnentieren.

Bild: Dermatophagoides pteronyssionus - Die Hausstaubmilbe


Ordnung: Bücherskorpione (Pseudoscorpiones)

Kleine, abgeflachte Arachniden, im Prinzip wie kleine Skorpione aussehend, jedoch ohne Postabdomen und Giftstachel. Etwa 1000 Arten. Räuberisch lebender Spaltenbewohner bis sieben Millimeter Grösse. Selten, meist nur im Labor, gezüchtete Arachnide. Am bekanntesten sind die Bücherskorpione der Gattung Chelifer, die sich in alten Buchbeständen von Staubläusen ernähren.



             Bücherskorpion


Ordnung: Weberknechte (Opiliones)

Kurzer gegliederter Hinterleib, Tracheenatmung, auffällig lange Beine (bis mehr als die fünfzehnfache Körperlänge). Als Sonderfall unter den Spinnen besitzen die Männchen ein penisartiges Fortpflanzungsorgan und übertragen den Samen direkt. Meist räuberische Lebensweise. Fressen Blattläuse, Milben und so weiter. Der Vollständigkeit halber wegen werden noch die Ordnungen der Kapuzenspinnen (Ricinulei), Taster- läufer (Palpigradi) und Zwergeisselschwänze (Schizomida)erwähnt. Sie sind wenig erforscht.

                    Weberknecht


Ordnung: Webspinnen (Araneae)









Argiope argentum, Wespenspinne                     Phiddipus regius, Springspinne                              Araneidae, Kreuzspinne


Lycosa tarentula, apullische Tarantel                          Nephila maculata                             Phoneutria nigriventer, Wanderspinne



       Latrodectus bishopi                                                  Lipistus spec.


Die Ordnung der Webspinnen, zu denen auch die Vogelspinnen gehören, enthält nicht weniger als 36000 bekannte Spinnenarten. Für die Terraristik sind ausser den Vogelspinnen auch noch einige andere interessant. Heute wird ein grosses Spektrum verschiedener Spinnenarten gepflegt. Als Beispiele seien hier nur die grossen Jagdspinnen (zum Beispiel Heteropoda venatoria, Sparassidae), Springspinnen (zum Beispiel Phiddipus regius, Salticidae) und Zebraspinnen (zum Beispiel Argiope argentum, Araneidae) erwähnt. In keiner zoologischen Ausstellung fehlen die Seidenspinnen der Gattung Nephila (zum Beispiel Nephila maculata, Araneidae). Ebenso wird kein Spinnenliebhaber es versäumen, sich die grossen Taranteln der Familie der Lycosidae aus dem Mittelmeerurlaub mitzubringen, um deren hochinteressante Brutpflege im Terrarium genau zu beobachten. Und wer kennt sie nicht, die schwarze Witwe, Latrodectus mactans - jene Kugelspinne aus der Familie der Theridiidae, deren Gift unter Umständen auch für einen Menschen tödlich sein kann. Auch gefährliche Arten werden heute gezüchtet. Deren Pflege sollte in jedem Fall nur Experten vorbehalten sein (zum Beispiel Phoneutria nigriventer, Ctenidae) aus Brasilien sei hier nur ein Beispiel genannt.


Lebensweise

Für den normalen Spinnenhalter genügt es drei Lebensweisen von Vogelspinnen zu unterscheiden. Lassen wir alle Sonderformen wie z.B. die marine Lebensweise einmal unbetrachtet. Hier lassen sich Spinnen in folgende Klassen einteilen:

Bodenbewohnende Vogelspinnen:

Die für den Liebhaber interessantesten Vogelspinnen finden sich unter den rein bodenbewohnenden Arten. Besonders die Gattung Brachypelma bietet eine grosse Fülle sehr schöner und auch einfach zu pflegender Vogelspinnen. Alle bodenbewohnenden Vogelspinnen sehen recht kompakt aus. Ihr Hinterleib kann ansehnliche Masse annehmen. Eier tragende Weibchen haben zuweilen hühnereigrosse Abdomina. Die Extremitäten sind relativ dick und kurz und somit kaum zum geschickten Klettern geeignet. Hauptsächlich bewohnen sie selbstgegrabene oder übernommene Höhlen und kommen zum Nahrungserwerb, zeitweise auch tagsüber    heraus, entfernen sich dabei aber nur wenig vom Höhleneingang.

    Bild: Acanthoscurria Geniculata


Baumbewohnende Vogelspinnen:

Zu den baumbewohnenden Vogelspinnen gehören die meisten Arten der Unterfamilie Avicularinae. Sie sind typische Kletterspinnen von schlanker Gestalt und mit stark ausgebildeter Scopula an Tarsus und Metatarsus (siehe Foto unten). Damit sind sie an ein Leben auf Bäumen und Sträuchern hervorragend angepasst. Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Avicularinae, sich bei Bedrohung fallen zu lassen, um dann mit ausgespreizten Beinen, wie ein Fallschirm, zu Boden zu segeln. In Sri Lanka und Indien bewohnen Vogelspinnen der Gattung Poecilotheria (Unterfamile Poeciltherinae) sowie in Südamerika viele Arten der Gattung Avicularia auch die Häuser der Einheimischen.


                  Psalmopoeus Cambridgei


Unterirdisch lebende Vogelspinnen:

Hochinteressante Arten enthält die Gruppe der unterirdisch lebenden Vogelspinnen. Sieht man einmal von den vogelspinnenverwandten Familien wie zum Beispiel den Falltürspinnen (Ctenizidae) oder Tapezierspinnen (Atypidae) ab, so sind hier besonders die häufig importierte "Thailand-Vogelspinnen zu nennen. Unter dieser Bezeichnung verstecken sich etliche Arten der Unterfamilien Selenocomiinae und Ornithoctoninae. Die in Ostafrika beheimatete Citaharischius crawshayi lebt in metertiefem, festem Lateritboden und kommt nur selten aus ihrer Behausung hervor. Alle unterirdisch lebenden Vogelspinnen sind in der Regel recht    unscheinbar gefärbt. So ist die C. crawshayi einfarbig rotbraun und Hysterocrates hercules    schlicht beige. Die stark an das unterirdische Dasein angepassten Tiere können sich, wenn man    sie ihrer Behausung entnimmt, auf normalem Untergrund nur schlecht fortbewegen. Schaut man    sich einmal die Dackelbeine von C. crawshayi an, dann ist das auch nicht verwunderlich. Diese Interessante Spinnen sind die afrikanischen Vertreter der Unterfamilie Harpactirinae und Eumenophorinae. in Zentral- und Südafrika vorkommenden Tiere (dort werden sie auch als Affen- und Pavianspinnen bezeichnet) bauen sich verzwickte Wohnröhrensysteme in Falllaub und Erde. Dennoch besitzen sie gewaltige Haftpolster an den Beinen mit denen sie gewandt klettern können.

Bild: Citaharischius crawshayi


Wachstum der Vogelspinne

Wie bei allen Arthropoden kann der Chititnpanzer nicht mitwachsen. Die Tiere Die Tiere müssen sich daher von Zeit zu Zeit von ihrer alten, zu eng gewordenen Chitinhülle befreien. Hormonelle Vorgänge leiten einen solchen Häutungsprozess ein. Junge Vogelspinnen häuten sich infolge ihres schnelleren Stoffwechsels alle drei bis vier Wochen, ältere Tiere alle zwei bis drei Monate und erwachsene Weibchen höchstens einmal im Jahr. Geschlechtsreife Männchen häuten sich normalerweise nicht mehr. Einzelne Ausnahmefälle von Häutungen reifer Männchen sind bekannt. Meistens sind solche Tiere verkrüppelt und nicht mehr lebensfähig.

Mehrere Tage bis Wochen vor der eigentlichen Häutung nehmen Vogelspinnen keine Nahrung mehr zu sich. Sie verhalten sich in dieser Zeit merkwürdig ruhig. Viele Arten ziehen sich jetzt in ihre Wohnhöhlen zurück, suchen trockene, ebene Flächen auf und verharren so tagelang. Oft spinnen sie den Eingang zu ihren Wohnhöhlen zu. Nun beginnen sie, die ausgewählte Fläche mit einem dichten Gespinst auszupolstern; sie bauen einen Häutungsteppich. Amerikanische Arten streifen sich häufig ihre abdominalen Reizhaare ab und verteieln sie auf und um den Häutungsteppich. Dies bietet einen Schutz vor neugierigen Kleintieren während der schwierigen Häutungsphase. Auch bei wenigen asiatischen (Poecilotheria) und afrikanischen Arten konnte ein solches Verhalten beobachtet werden. Bereits in dieser Phase bewirken hormonelle Vorgänge, dass sich unter der alten Haut eine neue bildet. Steht die Häutung unmittelbar bevor, verflüssigt sich ein Teil der alten inneren Hautschichten. Es entsteht eine sogenannte Exuvialflüssigkeit, die der besseren Trennung der Chitinhüllen dient. Bei Exemplaren mit fehlender Abdominalbehaarung lässt sich dieser Zustand leicht an der veränderten Färbung des Hinterleibs erkennen. Die ursprunglich rose oder fleischfarbene Stelle erscheint jetzt fast schwarz, weil die Pigmentierung der neuen Abdominalbehaarung und kein Licht mehr durch die nun getrennten Hautschichten reflektiert wird. Auch die Gelenkhäute werden dunkel. Die Häutung beginnt. Zu diesem Zweck legen sich alle Vogelspinnenarten in Rückenlage auf ihren Häutungsteppich. Der Moment des Umdrehens wird nur selten beobachtet; die Tiere sind zu diesem Zeitpunkt sehr störanfällig und das Umdrehen geschieht sehr schnell. Im Notfall können sich die Spinnen aber auch in anderen Positionen (selbst in Bauchlage häuten. Es folgt eine Phase, in der sie oft stundenlang bewegungslos verharren und in der die einleitende biologischen Abläufe stattfinden. Nun wird die Körperflüssigkeit aus dem Abdomen in den Vorderkörper gepresst. Dabei steigt der Körperinnendruck auf das Doppelte an. Durch knetende Bewegungen der Chelizeren wird das Absprengen des Kopfbruststückes eingeleitet. Dieses löst sich als Erstes von der neuen Haut ab. Es folgen die Extremitäten, die durch rhytmisches Hin- und Herbewegen aus ihrer Hülle herausgleiten. Am einfachsten schlüpft das Abdomen mit den Spinnwarzen aus seiner Umhüllung; es ist ohnehin schon durch die Flüssigkeitsverlagerung geschrupft. Die abgestossene Haut (Exuvie) wird nach oben befördert und fällt schliesslich zur Seite. Der Häutungsvorgang ist beendet. Die frisch gehäutete Spinne ruht noch einige Stunden in Rückenlage, dabei erhärtet die noch weiche Chitinhülle allmählich. Sind die Beine dann kräftig genug, das Gewicht der Spinne zu tragen, kann sich das Tier wieder in die normale Position zurück drehen. Die Aushärtung ist nach spätestens einer Woche abgeschlossen und die Spinne ist dann wieder zum Beutefang fähig. Der Häutungsvorgang ist einer der gefährlichsten Abschnitte im Leben einer Vogelspinne. Wird sie während der Häutung gestört, kann der Prozess nicht normal weiterlaufen. Das Tier bleibt in seiner Haut stecken und verendet. Auf mögliche Störungen während der Häutung im Terrarium werden unter der Rubrik " Häufige Fehler" noch besonders hingewiesen.

                    

                         dunkles Abdomen vor der Häutung                                             Häutungsvorbereitung


                    

                           die alte Haut platzt auf                                                     B. auratum, daneben Exuvie



Betrachten wir eine Spinne nach einer erfolgreichen Häutung, dann stellen wir fest, dass das Tier einige Veränderungen erfahren hat. Auffällig ist, dass sie Farben nun wieder in voller Pracht erscheinen. Auch die Körperbehaarung ist nun wieder vollständig vorhanden. In der Tat ist das Regenerationvermögen der Vogelspinnen ein Wunderwerk der Natur: Taster, Spinnwarzen, Chelizeren, selbst zwei oder drei Beine, die ein Tier durch einen Unfall verloren hat, sind nach spätestens drei bis vier Häutungen wieder komplett vorhanden.

Männliche Vogelspinnen häuten sich nur bis zu ihrer Geschlechtsreife. Erst nach dieser letzten Häutung (Imaginalhäutung) besitzt das Männchen Bulben an den Tasterenden und Tibiaapophysen an den Schienen der Vorderbeine.

Anders die Weibchen: Durch ihre hohe Lebenserwartung von bis zu 25 Jahren sind sie darauf angewiesen, ihre äussere verbraucht Chitinhülle und verlorene Gliedmassen alljährlich zu regenerieren. Weil auch der Samenvorratsbehälter (Receptaculum seminis) nur ein Teil der äusseren Hülle ist und somit bei einer Häutung, mitsamt gespeicherten Samens verloren geht, können Weibchen nach einer Häutung ohne erneute Paarung keine befruchteten Eier legen.


Der Habitus einer Vogelspinne

Der Vorderleib (Prosoma):

Der Vorderkörper, auch der anderer Arachniden trägt sechs Extermitätenpaare. Er besteht auf der Oberseite aus einem Kopfbrustschild (Cephalothorax) und auf der Unterseite aus einer sternförmigen Platte (Sternum) sowie einer beweglich angeschlossenen Unterlippe (Labium). Zusammen mit den rechts und links an den Coxen der Kiefertaster (Pedipalpen) angebrachten Kauladen dient das Labium der Nahrungsaufnahme. Die Aufgaben des Cephalothorax sind vielfältig. Zum einen übernimmt er eine Stützfunktion des Spinnenkörpers, zum anderen bietet er Platz für weitere Körperteile. Der Kopfabschnitt des Cephalothorax trägt einen Augenhügel mit acht symetrisch angeordneten Punktaugen. Die Augenstellung wird als Bestimmungsmerkmal herangezogen. Im hinteren Drittel befindet sich eine Thoraxgrube, von deren Zentrum sich Radialstriemen (Striae radiantes) bis zu den Beinansätzen erstrecken. Thoraxgrube und Radialstriemen bieten im Innern der Spinne Ansatzflächen für die Beinmuskulatur und den Saugmagenmuskeln. Das erste Radialstriemenpaar ist meist recht gut zu erkennen. Es grenzt den Kopfteil vom Brustteil ab. Dies ist bei der Art Brachypelma emilia besonders deutlich zu erkennen, weil das Kopfstück dunkler gefärbt ist als das Bruststück. Im Vorderkörper befinden sich zum Beispiel Saugmagen, Beinmuskulatur, Gehirn, bestehend aus Ober- und Unterschlundganglion, und Teile des Verdauungstraktes.

Der Hinterleib (Opistosoma):

Der nicht segmentierte Hinterleib schliesst sich durch ein kurzes unscheinbares Verbindungsstück (Petiolus) beweglich an den Cephalothorax an. Er ist wie bei allen anderen Ordnungen der Arachniden auch, nicht mit Laufbeinen bestückt. Embyonal angelegte Hinterleibsextremitäten werden bei der Weiterentwicklung rückgebildet, aus ihnen entstehen Kiemenanhänge (Pfeilschwanzkrebse), Buchlungen (Skorpione, Webspinnen) oder Spinnwarzen (Webspinnen).

Der Hinterleib - eines der empfindlichsten Körperteile einer Vogelspinne - übernimmt viele lebenswichtige Funktionen. Als Nahrungs- und Energiespeicher befähigt er die Spinne zu monatelangen Fastenzeiten. Er enthält Organe wie das schlauchförmige Herz, den Verdauungstrakt, die Eiervorratsbehälter (Ovarien), den Samenbehälter (Receptacula seminis), und die Buchlungen. Wir wollen uns aber nicht mit dem komplizierten Aufbau der inneren Anatomie von Spinnen, sondern mit den erkennbaren äusseren Körperteilen beschäftigen.

Am Hinterleibsende befinden sich zwei lange, gut erkennbare, dreiteilige und zwei kleinere, kurze Spinnwarzen die unabhängig voneinander beweglich sind. Die Unterseite des Hinterleibs weist seitlich vier Oeffnungen (Stigmen) zu den Buchlungen auf. Zwischen den Stigmen der vorderen Buchlunge liegt die Epigastralfurche, in die auch die Geschlechtsöffnung der Tiere mündet. Die Stigmen der hinteren Buchlunge enden hinter der Epigastralfurche. Die hinteren Buchlungen sind leicht zu erkennen.

Die Chelizeren:

Die zweigeteilten Chelizeren bilden das erste Extremitätenpaar. Sie ragen ganz vorn unter dem Cephalothorax hervor. Bei den Vogelspinnen liegen die Chelizerenklauen paralell zur Körperlängsachse und werden von oben nach unten geklappt. Wegen dieses Merkmalszählt man die Vogelspinnen zu den orthognaten Spinnen, zu denen auch die Falltürspinnen (Ctenizidae), Tapezierspinnen (Atypidae), Trichternetzspinnen (Hexathelidae) und andere gehören. Im Ruhezustand sind die Chelizerenklauen in eine furchenartige Rinne der Chelizeren eingeklappt. Im Chelizerengrundglied liegen die länglichen Giftdrüsen, deren Gift in die Chelizerenklauen geleitet wird. Der Giftkanal mündet wenige Millimeter vor dem Klauenende. Die Giftdrüsen sind bei den Vogelspinnen klein und befinden sich nur in den Chelizeren.

Die Kiefertaster:

An die Chelizeren schliessen sich die Kiefertaster (Pedipalpen) an. Ihr äusseres Erscheinungsbild erinnert an normale Laufbeine. Sie erfüllen aber vorzüglich die Funktion als Tastorgane. Beim Beuteerwerb unterstützen sie die Tätigkeit der Vorderbeine. Die Bezeichnungen der Beinabschnite sind den Abbildungen zu entnehmen. Die Pedipalpen der Männchen ändern sich mit der letzten Häutung (Reifehäutung). Der Tarsus ist auffällig verkürzt und besitzt an seinem Ende einen so genannte Bulbus, einen birnenförmigen Behälter, der in einer dünnen Spitze, dem Embolus, ausläuft. Im Bulbus wird das Sperma zur späteren Befruchtung des Weibchens gespeichert. Die Form der Bulben wird zur Bestimmung von Arten herangezogen. Die Durchführung solcher Bestimmungen scheitert oft am Mangel toter, männlicher Exemplare. Oft sind die Bulben von einfacher Struktur und lassen nur Bestimmungen auf Gattungsebene zu. An den Tarsenenden befinden sich zwei einziehbare Krallen, die häufig in kleinen Haarpolstern eingebettet sind. Sie lassen sich aufgrund ihrer leuchtend roten Färbung bei vielen Arten der Gattung Avicularia besonders gut erkennen. Eine Abweichung im Bau der Gliedmassen findet man bei den geschlechtsreifen Männchen. Bei ihnen besitzen die Tibien des ersten Beinpaares meist kleine Auswüchse (Tibiaapophysen) mit ein oder zwei Endungen. Neben den Bulben sind die Tibiaapophysen sichere Merkmale zur Erkennung geschlechtsreifer Männchen.

Die Oberseite einer Vogelspinne:

1 = Pedipalpus 2 = Laufbein 3 = Cephalothorax 4 = Tarsus 5 = Tibia 6 = Patela 7 = Chelizera 8 = Femur 9 = Trochanter 10 = Coxa (mit Pedipalpenlade) 11 = Augenhügel 12 = Thoraxgrube 13 = Petiolus 14 = Abdomen






























Die Unterseite einer Vogelspinne:

1 = Labium 2 = Chelizeren-Klaue 3 = Tarsus 4 = Metatarsus 5 = Tibia 6 = Patela 7 = Femur 8 = Trochanter 9 = Coxa 10 = Sternum 11 = Receptacula seminis 12 = Stigma 13 = Fächerlungenöffnung 14 = Spinnwarzen






























Die Behaarung:

Auffälligstes Merkmal aller Vogelspinnen ist ihre starke Behaarung. Oft sind die einzelnen Haare so klein, dass man sie mit blossem Auge gar nicht erkennen kann; sie sind nur unter dem Mikroskop sichtbar.

Die Geruchshaare:

Die überwiegend an den Tastern und dem ersten Beinpaar sitzenden, stark gefiederten, Geruchshaare sind wohl das interressanteste Phänomen in der Welt der Arthropoden. In Sekundenbruchteilen geben die chemotaktilen Rezeptoren dieser Haare ihre Informationen an das Spinnenhirn weiter. Dabei erkennen sie sogar die Qualität von Futtertieren und Wasser. Sexualduftstoffe (Pheromone) werden auch bei den Vogelspinnen zur Geschlechterfindung eingesetzt. Entnimmt man ein wenig Gespinst aus dem Bau einer geschlechtsreifen weiblichen Vogelspinne und hält dieses mit einer Pinzette an die Taster eines Männchens, so beginnt dieses unverzüglich mit der Balz und dem Paarungsvorspiel.

Die Tasthaare:

Der gesamte Spinnenkörper, besonders aber die Extremitäten, sind gleichmässig mit Tasthaaren bedeckt, welche unterschiedlichste Aufgaben erfüllen. Sie bilden, neben den Geruchshaaren die wichtigsten Sinneshaare einer Spinne. Wichtigste Funktion dieses Haartyps ist die mechanische Wahrnehmung der Umgebung. Vogelspinnen sind als Bewohner von engen Höhlen auf einen gut funktionierenden Tastsinn angewiesen. Hier bieten die Tasthaare genaue Informationen über Form und Grösse der Höhlen und des Gangsystems. Hindernisse, Reste von Beute, Eikokons und so weiter werden in diesem Lebensraum ertastet, denn hier wird die Funktion des Sehens mangels Licht überflüssig.

Die Hafthaare:

Die Tarsen und Metatarsen der Vogelspinnen sind mit dicken Polstern feinster Hafthaare (Haftpolster oder Scopula) bedeckt. Die Anzahl der an ihrem Ende verzweigten Haare pro Bein beträgt etwa 100 Millionen - eine ungeheure Menge. Durch Kapillarwirkung zwischen den Hafthaaren und der an allen Gegenständen vorhandenen (im molekularen Bereich liegend) feinsten Wasserschichten wird die Scopula fest an ihrer Unterlage gehalten. Theoretisch könnte auf diese Weise ein Mehrfaches des Spinnengewichtes gehalten werden. Freilich liegen nicht alle Hafthaare an der Unterlage an. Starke, die in die Scopula eingebettete, bewegliche Dorne lösen die Scopula wieder von ihrem Untergrund. An einer durch Spezialbehandlung absolut trocken gemachten Glasscheibe versagt die Adhäsion, und die Spinne rutscht ab.

Die Hörhaare:

Luftschwingungen und niederfrequente Schallwellen werden von so genannten Hörhaaren wahrgenommen. Einzelne längere, auch mit blossem Auge erkennbare, Haare sitzen beweglich auf einer Membran. Hauptsächlich auf den Beinen sind sie in unterschiedlicher Dichte verteilt. Sie registrieren Luftbewegungen und Teile des männlichen Paarungsrituals. Besonders wichtig für baumbewohende Arten ist die Wahrnehmung der Luftschwingungen von anfliegenden Insekten.

Die Brennhaare:

Viele amerikanische Vogelspinnen besitzen auf ihrem Abdomen eine Schicht winziger, leicht ablösbarer Haare. Zur Verteidigung werden diese durch Scheuerbewegungen der Hinterbeine in die Luft gewirbelt. Das Berühren dieser pfeilspitzen Härchen führt zu unangenehmem Juckreiz und Hautrötungen. In die Schleimhäute der Atemwege gelangt, können sie Hustenkrämpfe auslösen. Insbesondere die Augen sind vor diesen Haaren zu schützen. Nach dem Berühren der Tiere sollte man auf jeden Fall die Hände waschen. Die Brennhaare sind typisch geformt und lassen Rückschlüsse auf die Gattungszugehörigkeit zu. Viele Arten nutzen ihre Reizhaare aber auch zur Auskleidung der Wohnhöhle. Derart präparierte Höhlen sind ein effektiver Schutz vor eindringenden Insektenfressern wie Igel, Spitzmäuse und so weiter. Auch der Häutungsteppich wird häufig mit Brennhaaren gespickt. Fertig gestellte Eikokons werden ebenfalls oft mit einer dicken Schicht Reizhaare umgeben (nicht bei allen Arten).

Auch einige Arten der alten Welt besitzen ablösbare Reizhaare. Sie werden nicht zur aktiven Verteidigung eingesetzt. Die Gattung Poecilotheria streift sich vor der Häutung etwas Hinterleibsbehaarung ab.


Einrichtung des Terrariums

Das Wohlbefinden einer Vogelspinne hängt massgeblich von der Terrarieneinrichtung ab. Schon unbedachte kleine Unstimmigkeiten im Behälter lässt die Tiere stundenlang umherkrabbeln. Oft versuchen sie, mit den Chelizeren am Lüftungsgitter einen Ausweg zu finden. Dabei strengen sie sich bis aufs Auesserste an. Dann sind Unfälle unvermeidlich: Die Chelizerenklauen brechen ab, und die Tiere sind nicht mehr in der Lage, Nahrung zu erbeuten.

Die Palette der Einrichtungsmöglichkeiten für Vogelspinnenterrarien ist gross. Sie reicht von einfachen Steppenterrarien für Spinnen aus trockenen Gebiten bis hin zu grosszügigen Paludarien mit üppigem tropischem Pflanzenwuchs.

Wichtige Punkte bei der Einrichtung des Terrariums:

Terrarium für bodenbewohnende Vogelspinnen:

Das Standardterrarium wie im Kapitel "Bau eines Terrariums" vorgestellt, sollte die Masse 20 x 30 x 20 Zentimeter nicht unterschreiten. Hier lassen sich alle kleinen und mittelgrossen Arten problemlos halten und auch nachzüchten. Vogelspinnenarten ab einer Grösse von sieben Zentimetern brauchen, besonders zur Zucht, etwas grössere Behälter. Zwar gelingt die tiergerechte Pflege und funktioniert eine Nachzucht auch in kleineren Behältern, doch haben sich in der Vergangenheit aus praktischen Gründen, ein wenig grössere Masse (30 x 30 x 20 oder 40 x 30 x 20 Zentimeter) als sinnvoller herausgestellt.

Der Bodengrund sollte in einer Schicht von fünf bis acht Zentimetern Höhe eingefüllt werden. Er kann aus einer handelsüblichen Blumenerde oder aus einem Torf- Sandgemisch (3/4 Torf) bestehen. Zu Zuchtzwecken ist es vorteilhafter, als Substrate etwas festere Materialien zu verwenden. Gerade ideal erwies sich hier eine Erde mit hohem Lehmanteil (siehe auch Kapitel "Zucht"). In kleinen Behältern unter 40 Zentimetern Kantenlängen lohnt das Einpflanzen von Ziergewächsen kaum. Die Spinnen ändern ihren Wohnbereich nach eigenen Gesetzen und reissen die eingesetzten Pflanzen einfach aus. Viele Arten bevorzugen trockene, flache Plätze zur Häutung. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall einen solchen abgedunkelten Bereich aufweisen. An einer anderen Stelle wird als künstliche Höhle ein halbrundes Stück Zierkork (erhältlich in Zoofachhandlungen)oder ein zur Hälfte vergrabener Blumentopf platziert.

Ein Wassernapf, der nicht zu klein sein sollte, vervollständigt die spartanische Einrichtung für unsere Pfleglinge.

Einen Aspekt darf man bei der Einrichtung eines Terrariums nicht vernachlässigen: Je grosszügiger und schöner ein solches Becken eingerichtet wird, umso weniger sieht man von seinen Tieren.

Terrarium für unterirdisch lebende Vogelspinnen:

Als einfachste Terrarien für solche Arten eignen sich die käuflichen Vollglasterrarien (selbstverständlich mit passendem Deckel). Bis zu zwei Drittel mit Erde (Rasen- oder Lehmerde) gefüllt, genügen sie bereits allen Ansprüchen. Um die Tiere beobachten zu können, muss man sie gewissermassen überlisten: Eine Korkeichenröhre wird in Längsrichtung halbiert. Mit der offenen Seit legt man sie dann von innen schräg gegen die Seitenscheibe des Behälters. Eine Schicht Erde überdeckt alles, so dass nur noch eine Oeffnung an der Erdoberfläche bleibt. Unerlässlich ist auch hier ein Trinkgefäss.

Die Seitenscheibe wird mit schwarzer Pappe oder Folie abgedunkelt, welche man nur zum Beobachten entfernt. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise sind solche Arten eher für den spezialisierten Spinnenliebhaber geeignet. Wem die Beobachtung und Haltung solcher Tiere bald langweilig wird, sollte lieber darauf verzichten.

Terrarium für baumbewohnende Vogelspinnen:

Solche Behälter lassen sich besonders hübsch einrichten. Da die baumbewohnenden Arten nur selten auf den Boden kommen, bieten sich als Bodengrund viele Materialien an. Sehr gut eignet sich eine dünne Schicht Torf mit eine Lage Moos darüber. Auch Blähton kann man verwenden. Ein uns bekannter Züchter benutzt Seramis, welches in fast jedem Gartencenter erhältlich ist. Einige verzweigte Äste genügen den meisten Arten. In den Behältern sollten die Wände auf jeden Fall mit Rinde bestückt sein. Vorhandene Pflanzen werden kaum beschädigt.

Pflanzen im Terrarium:

Auch im Spinnenterrarium schaffen Pflanzen ein für für die Tiere angenehmes Klima. Allerdings halten sie sich nur in grösseren Behältern und müssen täglich "gewartet" und gepflegt werden. Eine Beleuchtung darf ebenfalls nicht fehlen (nur Leuchtstofflampen).


Fütterung von Vogelspinnen

Das Wohlbefinder der Vogelspinnen hängt nicht zuletzt von ihrer Ernährung ab. Schlecht ernährte Tiere wachsen langsam, häuten sich schlecht und an eine Eiablage ist erst recht nicht zu denken. Darüber hinaus bleiben die Männchen in ihrer Körpergrösse weit zurück und sind auch kaum in der Lage, ihre Weibchen zu begatten.

Bei der Fütterung kommt es nicht auf eine abwechslungsreiche Kost an. Viel wichtiger ist es zu wissen, wann, wie oft, wie viel und wie man füttern sollte:

Jungen Spinnen bietet man alle zwei bis drei Tage Futter entsprechender Grösse an. Babyspinnen füttert man am besten mit Drosophila, frisch geschlüpften Heimchen und Grillen. Nach fünf bis sechs Häutungen bewältigen sie bereits kleine Stubenfliegen und Heimchen bis sieben Millimetern Grösse. Für die Fütterung sehr kleiner und empfindlicher Babyspinnen sei noch ein Trick verraten:

Die meisten Vogelspinnenarten nehmen auch frisches, totes Futter an. Man kann einen kleinen Vorrat an kleinsten Futtertieren im Gefrierfach lange Zeit aufbewahren. Legt man abends einige gefroren Insekten in die Nähe der Jungspinnen, finden sie das Futter in der Regel über Nacht und fressen es. So kann man auch etwas zu gross geratene Futtertiere an seine Jungspinnen verfüttern. Haben die jungen Spinnen eine Grösse von rund zwei Zentimetern erreicht, bewältigen sie bereits erwachsene Grillen. Die Gefahr, dass Spinnen durch Futtertiere gefressen werde, ist bei jungen Exemplaren besonders gross, weil sie sich in relativ kurzen Abständen häuten. Umso wichtiger ist es, restliche Futtertiere wieder aus dem Behälter zu entfernen.

Erwachsenen Vogelspinnen bietet man alle sieben bis vierzehn Tage Futter an. Um zu vermeiden, dass sich unnötig Grillen im Terrarium verstecken, testet man vorher mit einem einzigen Futtertier, ob die Spinne hungrig ist oder nicht. Nimmt sie das gereichte Insekt sofort an, kann man noch vier bis fünf zusätzliche Grillen in den Behälter geben.

Manchmal verhalten sich männliche Vogelspinnen den Grillen gegenüber zurückhaltend. Das starke Umherspringen des lebenden Futters macht die Tiere nervös. In einem solchen Fall sollte man die Sprungbeine der Grillen und Heimchen entfernen. Die gleiche Methode wendet man bei Spinnen mit einem stark gefüllten, prallen Abdomen an. Die Sprungbeine der Grillen mit ihrer starken Bedornung könnten sonst das Abdomen der Spinnen verletzen. Wanderheuschrecken sind nur an sehr kräftige und hungrige Spinnen zu verfüttern: Ihre Verhaltenseigentümlichkeit, oft stundenlang ruhig zu verharren, um dann bei Berührung durch die Spinne plötzlich starke Sprünge auszuführen, erschreckt die Vogelspinnen oft.

Frisch importierte Vogelspinnen sind oft erbärmlich abgemagert. Um ihnen schnell und bequem eine grosse Menge Futter zukommen zu lassen, nutzt man die Bereitschaft der Spinnen, auch frisch-totes Futter anzunehmen. Aus einem Stück Rinderherz schneidet man einen Würfel von etwas 1.5 Zentimetern Kantenlänge heraus. Die völlig ausgehungerten Tiere nehmen den Futterbrocken normalerweise bereitwillig an. Nicht verwertetes Fleisch oder Überreste muss man spätestens nach 36 Stunden entfernen.

Insekten bilden den grössten Teil der Nahrung der Vogelspinnen. Die der Terraristik zur Verfügung stehende Palette an Futtertieren ist in den letzten Jahren sehr reichhaltig geworden. Der Mehlwurm hat fast ausgedient. An seine Stelle sind qualitativ bessere Insekten wie Grillen, Heimchen, Wanderheuschrecken, Stubenfliegen, Schwarzkäferlarven oder Grossschaben getreten.

Nestjunge bis halbwüchsige Mäuse sollten nur solchen Exemplaren gegeben werden, bei denen man sicher ist, dass sie die gereichten Tiere (Wirbeltiere) auch direkt annehmen, um diesen ein unnötiges Verweilen im Spinnenterrarium zu ersparen. Mit diesen Futtertieren kann man den Nahrungsbedarf der Vogelspinnen völlig decken.


Fütterung meiner größeren Exemplare von Theraphosa blondi mit Mäusen. Das gezeigte Exemplar besitzt eine Abdomengröße von einem Tischtennisball und umspannt im ausgestreckten Zustand mit den Beinen einen Frühstücksteller



Haltungsfehler

Die Pflege von Vogelspinnen erfordert von ihren Besitzern ein wenig Lernfähigkeit. Nicht anders als bei der Haltung von Reptilien und Amphibien im Terrarium muss man das notwendige Fingerspitzengefühl auch bei der Beschäftigung mit Vogelspinnen erst einmal erwerben. Ständig auch tagsüber im Terrarium umherlaufende Spinnen fühlen sich nicht wohl. Durch Umsetzen in einen anderen Behälter kann man den Tieren oft helfen.

Temperatur:

Obwohl unsere Vogelspinnen in der Regel aus tropischen und subtropischen Gebieten stammen, halten viele Liebhaber ihre Tiere bei zu hohen Temperaturen. In der Natur ziehen sich die Tiere bei hohen Temperaturen in ein kühleres Versteck zurück. Messungen im Höhleninneren verschiedener Arten ergaben fast immer Temperaturen um 25 Grad Celsius, auch wenn an der Oberfläche oft über 40 Grad Celsius gemessen wurde. Arten aus höheren Regionen (Bergwälder) oder aus südlichen Ländern (Argentinien) benötigen mitunter niedrigere Temperaturen oder sogar Winterpausen mit herabgesenkten Temperaturen um 15 Grad Celsius.

Für die meisten der derzeit gepflegten Arten gelten aber Pflegetemperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius. Baumbewohnende Arten mögen es etwas wärmer (bis 30 Grad Celsius).

Kurzfristiges Unterschreiten der Vorzugstemperatur schadet den Tieren nicht. Zu hohe Temperaturen (>30 Grad Celsius) können zu Verlusten während und nach der Häutung führen, auch wenn sich die Spinnen vorher normal verhalten. Dabei sterben manche Tiere ohne erkennbare Anzeichen (häufig Nachzuchten von Avicularia spec.). Zu hohe Dauertemperaturen führen zu einer extremen Aktivität der Tiere und letzendlich zur Erschöpfung.

Dauerhaft zu kalte Pflege der Tiere bewirkt, dass die notwendigen Häutungen zu lange hinausgezögert werden. Erkennbare Anzeichen sind starkes Verblassen der Farben und apathisches Verhalten der Tiere. Häufig Schimmelbildung!

Wärmequellen sollten niemals unter die Terrarien platziert werden. Entstehendes Kondenswasser schlägt sich nämlich am kühlen Körper der Tiere nieder und führt zu Schimmelbildung. Heizkabel oder Matten dürfen nur seitlich angebracht werden. Hier können die Tiere den gewünschten Temperaturbereich selbst aussuchen. Besser sind Wärmequellen von ogen in Form von Leuchtstofflampen oder Strahlern.

Feuchtigkeit:

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Substrat- und Luftfeuchtigkeit. In kleinen Behältern ergibt sich bei einer hohen Substratfeuchte automatisch auch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. In der Regel braucht hier nicht zusätzlich gewässert zu werden. Häufiges Nachgiessen von Wasserbehältern oder Erdreich zur Pflege von Pflanzen kann auf Dauer zu Staunässe im Boden führen. Besonders bodenbewohnende und ständig im Erdreich lebende Arten werden dann aus ihrem Unterschlupf getrieben. Die Regulation der Luftfeuchtigkeit im Behälter sollte durch dosiertes Redzieren der Lüftungsfläche, zum Beispiel durch Auflegen von Glasstreifen geschehen. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit im Behälter führt ebenfalls dazu, dass die Häutungen zu lange hinausgezögert werden, und die unter Umständen zu Häutungsdefekten führt.

Sonstiges:

Ursachen für sehr ärgerliche Verluste sind im Behälter verbleibende Futtertiere. Besonders Grillen und Heimchen können eine sich häutende Vogelspinne anfressen. Sie müssendaher einige Stunden nach der Fütterung entfernt werden. Befinden sich im gleichen Haushalt Hund oder Katzen, dürfen auf keinen Fall Flohhalsbänder, Flohschutzpulver und ähnliche Gifte angewendet werden. "Todsicher" wirken auch Insektensprays, Insekten-Strips, Mottenkugeln und so weiter, auch dann, wenn man sie in anderen Räumen einsetzt. Ammonikhaltige Putzmittel (Salmiak) können die Spinnen ebenfalls schädigen. Völliger Unsinn ist es, seinen Pfleglingen regelmässigen "Auslauf" im Zimmer anzubieten. Abgesehen von den Gefahren, die eine solche Umgebung für die Spinne birgt, zwingt man die Tiere immer wieder dazu, sich in ihrem Behälter immer wieder neu einzugewöhnen. Natürliche Verhaltensketten wie zum Beispiel Paarung, Eiablage und Brutpflege, aber auch Häutungen, werden dadurch beeinträchtigt. Das führt unweigerlich zu einer Schädigung der Tiere.



Systematik der Vogelspinnen im Reich der Tiere

In der Biologie bezeichnet man den Stammbaum aller Lebewesen auf Erden als Systematik. In solch einer Systematik läßt sich erkennen, welche Gemeinsamkeiten zwischen Tieren bestehen, bzw. in wie weit sie miteiander verwandt sind. Dieser Stammbaum ist hierachisch aufgebaut. Oberste Hierachie ist die Klassifikation. Darunter folgen Domäne, Reich, Unterreich, Abteilung, Unterabteilung, Stammgruppe, Überstamm, Stamm, Unterstamm, Klasse, Ordnung, Unterordnung, Familie, Unterfamilie, Gattung und schließlich Art.

In der folgenden grob gefassten Systematik wird dies deutlich:





























Auf der Abbildung habe ich die komplette Systematik zur Gattung: Brachypelma, Art: Smithi rot aufgezeigt. Würde man nun einen Vergleich zwischen Mensch und Vogelspinne ziehen wollen, so würde man feststellen, daß Vogelspinne und Mensch sich bis in die Unterabteilung "Bilatersalsymetrische Tiere" ähnlich sind. Erst in der Stammgruppe würde man feststellen, daß Spinnen zu den "Urmündern" und Menschen zu den "Neumündern" zählen.

Wenn man bedenkt, daß laut Systematik der Mensch dem "Gibbon-Affen" am ähnlichsten ist und weiter höher in der Hierachie zu den "Trockennasenaffen" zählt, so bleiben doch keine Zweifel, daß der Mensch auch nur ein Tier von undenkbar vielen ist und keine Sonderrechte genießt.

Wer sich mit der Systematik gerne beschäftigen will, der wird sicherlich entäuscht sein, was die Suchergebnisse im Internet bieten. Zum einen liegt das daran, daß die Systematik ungeheuer komplex ist, daß sie nicht in einem Dokument erfassbar ist. Man bräcuhte wahrscheinlich ein mehrere Kilometer großes Blatt, um die komplette Systematik aller Tiere unterzubringen. Zum anderen werden immer neue Arten entdeckt und andere sterben widerum täglich aus, so daß die Systematik wohl nie zu Ende führt sein wird.

Für mich hat es sich als das Beste erwiesen "www.wikipedia.de" zum Nachschlagen zu verwenden. Dort kann in der Suchmaske jede beliebige Tier- (oder Pflanzenart) eingegeben werden. Wikipedia zeigt das Ergebnis fein säuberlich an (rechte Seite im Kasten). So lassen sich auch ohne weiteres verschiedene Tiere miteinander vergleichen. Man kann einfach eine Hierachieebe höher oder tiefer springen und bekommt eintsprechend detailiertere oder zusammengefaßtere Informationen. Wie ich meine ist das die geeignetste Form um die Systematik darzustellen.

Sie werden sicherlich überrascht sein, von wie wenigen Tieren Sie bisher erfahren haben..



Wussten Sie schon..