Spinnen und mehr bei Jörg Dallmann
Myrmica rubra ist mit Lasius niger in Deutschland die bekannteste Ameisenart. Die Rote Myrmica rubra gehört zu den Knotenameisen. Sie ist allgemein ein wenig behaarter und größer, als Lasius niger. Wie alle Knotenameisen kann Myrmica rubra stechen. Für gewöhnlich ist ein Stich ungefährlich, so daß man sich die Art ohne Bedenken halten kann.
Myrmica rubra gehört trotz der betrachtlichen Größenunterschiede bei den Arbeiterinnen nicht zu den Kastenameisen. Der größte Unterschied zu Lasius niger besteht in der Poligynität. Während die monogyn lebenden Lasius niger nur eine Königin dulden, wurden in Freiheit lebendene Myrmica rubra Kolonien mit dem Ergebnis beobachtet, daß die durchschnittliche Koloie aus 15 Gynen und 1000 Arbeitern besteht. Große Kolonien erreichen 20000 Arbeiterinnen und 600 Gynen. Das sind trotz der vielen Königinnen nur halb so viele Individuen, als eine einzige Lasius niger Gyne ihr Volk maximal ausbauen kann (40000 Ameisen).
Theoretisch kann ein Myrmica Rubra Volk unendlich lange überleben (polygyn) während das Volk der Lasius Niger nur maximal solange leben kann, wie die Gyne lebt und somit Nachkommen produziert. Was außerdem auffällt ist, daß das Sozialverhalten nicht so stark ausgeprägt ist, wie bei Lasius Niger. So gehen Myrmica Rubra z.b. einzeln auf Futtersuche, während Lasius Niger den Tandemlauf vollführt und im allgemeinen ein ausgeprägteres Sozialverhalten zu beobachten ist.
Myrmica Rubra überwintert von Oktober bis März und frisst von Honigzuckerlösungen, Aas und selbst erbeuteten Tieren eigentlich alles. Gehalten werden kann Myrmica Rubra am Besten in einer Glasfarm. In der Natur siedelt sie im Schutz von Gehwegplatten, Moos und Gräsern.
Heute, am 28.05.2009 ist mir beim Arbeiten im Garten in den Sinn gekommen ein paar "frische" Futtertiere für meine beiden Ameisenkolonien zu sammeln. Dabei drehte ich auf der Suche nach Insekten eine Gehwegplatte um und mir schossen sprichwörtlich einige hunderte Myrmica Rubra entgegen. Schnell nahm ich Schaufel und Eimer und grub die Kolonie aus. Stolzerfüllt konnte ich sogar 4 Gynen ausmachen, die ich in ein Extragläschen verfrachtete. Schnell den Eimerrand mit Parifinöl bestrichen machte ich mich ganz happy sofort an die Arbeit.
Nachdem ich die Arena hergerichtet habe, begann ich mit der eigentlichen Arbeit: dem umsetzen der Ameisen in die Arena. Dazu nahm ich einen Esslöffel und ein helles Küchenbrett. Löffelweise filterte ich so Ameise für Ameise aus dem Erdreich und setzte sie per Hand um. Dabei wurde ich zwar oftmals gestochen, aber es tut nicht wirklich weh und diese Variante ist meiner Meinung sehr praktisch. Ich brauchte für das filtern insgesamt 4 Stunden, aber die Arbeit und der Lohn dafür stehen nicht in ungleichem Bezug zueinander. Denn: Als ich fertig war hatte ich 832 Ameisen und 28 Gynen in die Arena gesetzt und ein Bild des totalen Rumgewusels bot sich mir. Es ist einfach nur gigantisch so viele Ameisen in Aktion zu sehen! Hierzu die ersten Bilder und ein Video unmittelbar nach dem Umsetzen in die Arena:
>>>> Video - Meine Kolonie Myrmica Rubra unmittelbar nach dem Einsetzen in die Arenabeim Einsetzen in die Arena Gruppenbildung um die Gynen Der pure Wahnsinn     von oben das Ganze
Schutz für eine Gyne voller Verbindungsschlauch erste Ansammlung im Schlauch Die Puppen werden gut bewacht
Beim Einzug beginnen die Ameisen sofort die Gynen vor Feinden zu schützen, indem sie einen lebenden Pulk um sie bilden. Dann werden die ersten Späher losgeschickt, um den Verbindungsschlauch auszukundschaften. Nachdem dieser für geeignet deklariert wird, setzt sich ein riesen Ameisentrupp von der Arena über Stunden verteilt in Bewegung und zieht in den Schlauch ein. Der Verbindungsschlauch ist wie auf den Bildern zu sehen gefüllt mit vielen Ameisen und Puppen.
29.05.09: Über Nacht sind alle Ameisen in den Verbindungsschlauch umgezogen. Dieser ist jetzt von oben bis unten gefüllt mit Ameisen und Puppen. Erste Ameisen erkunden bereits die Farm. Auch einige Puppen werden von dem Schlauch in die Farm getragen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Worker zu graben beginnen.
erste Farmkundschafter erste Gänge am 30.05. der mit Ameisen verstopfte Schlauch Gangsystem gleicher Tag
Am 31.05.09 wurde das Gangsystem deutlich ausgebaut wie untenstehende Bilder zeigen. Es fällt auf, daß die Ameisen pro Zen- timeter Gang, ungefähr eine Stunde brauchen.
Die Farm am 31.05. morgens Die Farm am 31.05. abends
Hier die Fortschritte des Farmausbaus vom 01.06.09: Es fällt auf, daß immer mehr Ameisen und Puppen vom Schlauch in die Farm umziehen. Oft hat man das Gefühl, als behindern sich die Ameisen gegenseitig bei Ausbau der Farm. Eine Ameise ist der Anderen im Weg. Es könnte sicher alles geordneter zugehen, aber was zählt ist bei den Ameisen doch wie immer das Endresultat, was die Gemeinschaft entstehen läßt:
Die Farm am 01.06. morgens - daneben abends; man kann außerdem gut die erste entstandene Kammer mit einigen Puppen ausmachen
Am 02.06. habe ich die Arena noch einmal gesäubert und einige Ameisenleichen (wahrscheinlich von meiner Fangmethode) eingesammelt. Ich habe eine schöne Wassertränke für meine Ladys erstanden. Die barbusige Schönheit in der Tränke eignet sich zum klettern, um an das Wasser heranzukommen und ins Wasser gefallene Ameisen klettern sofort am Busen wieder heraus. Jetzt haben meine Ladys also ihren "Brunnen der Schönheit". Natürlich wurde auch wieder einmal die Farm und ihre Gänge weiter ausgearbeitet. Im Moment gehen meine Myrmica Rubra noch nicht ans feste Futter. Der Honig ist beliebter genau wie die Tränke.
der Brunnen der Schönheit blau markierte Ameisen das aktuelle Aussehen der Farm erste Kammer mit Puppen
05.06.: Heute habe ich meinem Kumpel Thorsten ebenfalls eine Myrmica Rubra Kolonie gefangen. Insgesamt sind es um die 10 Gynen und ca. 100 Worker gewesen. Da er nicht so viele Gynen wollte, habe ich drei in die meine Arena gesetzt, um herauszufinden, ob meine Myrmica Rubra die koloniefremden Gynen verstößt oder aufnimmt. Das Ergebnis war, daß alle 3 Gynen von meinem Volk adoptiert worden sind. Es besteht somit (zumindest bei einem großen Volk mit mehreren Gynen) eine gute Chance dem eigenen Volk fremde Gynen zuzuführen. Auch Larven und Puppen wurden sofort in die Farm getragen. Volksfremde Workerinnen wurden sofort attackiert und getötet, was mehr oder weniger vorher klar gewesen war. Trotzdem habe ich auch diesen Versuch mit 3 Workerinnen durchgeführt. Myrmica Rubra ist wirklich sehr stark polygyn. Bei dem Sammelversuch im Garten bin ich ausserdem auf zwei jeweils junge Ameisenkolonien mit ein paar Workerinnen und Gyne von Lasius Niger und Lasius Flavus gestossen. Besonders Lasius Flavus habe ich zum ersten mal im Garten entdeckt.
Was noch erwähnenswert ist, daß ein Myrmica Rubra Stich durchaus schmerzhaft wie Brenessel sein kann. Ich wurde beim Umsetzten von hunderten Ameisen nur einmal "richtig" gestochen. Und zwar gelang dies dem Tier auch nur, weil es mich an einem Fingergelenk an der weichen Seite des Fingers, wo ein wenig Haut übersteht erwischt hat. Diesen Stich konnte ich wirklich gut spüren und kann mir vorstellen, daß es für Allergiker eventuell problematisch sein kann gestochen zu werden. Allerdings war das wie gesagt ein "Zufallstreffer" bei hunderten Ameisen. Die Handinnenflächen sind viel zu ledern, als das eine Myrmica Rubra mit dem Stachel eindringen könnte.
Die Farm am 04.06. mit der großen Hauptkammer Einblick aus der Nähe in die Hauptkammer am 05.06.
17.06.: Nachdem die Farm keinen Aushub mehr aufnehmen kann, haben die Arbeiterinnen damit begonnen überschüssigen Sand fortan in die Arena und den Verbindungsschlauch abzuladen. Die Arbeiten am Nest gehen weiter, jedoch sieht man nicht mehr so schnell große Veränderungen. Aber die Menge an Aushub zeigt deutlich, daß im Farminneren gegraben wird. Honig- wasser stellt nicht mehr die einzige Nahrung dar. Mittlerweile wird auch Proteinfutter gerne angenommen, wenn auch eher mäßig und nicht wie bei der Koloniegröße zu erwarten "überfallsmäßig". Die Hauptkammer ist auch ausgebaut worden
lehmiger Aushub wird in der Arena untergebracht roter Pfeil: momentanes Ausbaugebiet; oberhalb der gestr. Linie: alles Aushub
25.06.: Die Kleinen haben den heutigen Tag mit einer besonderen Überraschung versüßt. Als ich die Farm genauer unter die Lupe nahm, sah ich einige geschlüpfte Ameisen, worunter sich zwei beflügelte Prinzessinen oder Prinzen befanden. Ich tippe eher auf beflügelte männliche Tiere, da sie mir für eine Prinzessin zu klein scheinen. Das Aussehen ist schwarz, wie bei Lasius Niger - also eigentlich gar nicht Myrmica typisch. Die vielen anderen geschlüpften Ameisen erkennt man sehr gut, daran, daß sie noch heller gefärbt sind, als die ausgewachsenen Myrmica Workerinnen. Leider ist die Ecke zu dunkel, daß ich keine se- henswerten Aufnahmen machen konnte.
Allerdings sind mir andere Aufnahmen gelungen. Und zwar von der derzeitigen Situation in der Arena. Man sieht am umherliegenden Lehm in der Arena, daß der Ausbau der Farm weiterläuft. Unter anderem nimmt meine Kolonie jetzt auch eiweißhaltige Nahrung an, was man gut im Bild sehen kann. Am ehesten werden auch hier frisch gefangene Fliegen angenommen. Aber auch Heimchen werden nicht verschmäht. Außerdem ist die Schale mit dem Honigwasser ständig besucht. Die größte Anzahl an Ameisen an der Schale lag bei 35. Aber auch rund um die Uhr sind wenigestens ein paar Workerinnen damit beschäftigt Honignahrung aufzunehmen.
attackierte Fliege, Hintergrund: Aushub Lehm aus der Farm Honigwasser ist am Beliebtesten, hier ca. 20 Worker beim Trinken
Am 30.06. habe ich die Anlage um eine Ameiseninsel erweitert. Diese ist an die Arena angebunden. Wie auf den Bildern zu sehen ist, besteht die Insel aus einer Schale mit Erde auf der ein Tonkopf mittig steht. Dieser ist innen hohl, so daß die Ameisen sowohl graben, als auch in das Figurinnere gelangen können. Das können sie durch den Mund der Skulptur oder auch von unten durch einen Tunnel. Die Idee ließ sich schnell umsetzen. Damit die Ameisen nicht ausbrechen können, ist die Insel mit Wasser umgeben, in dem sich ein Tropfen Spüli zur Beseitigung der Oberflächenspannung befindet. Der weitere Ausbruchschutz besteht darin den Ameisen den Weg über die Schlauchaussenseite zu versperren. Es hat nicht genügt auf den Gummischlauch Parifin zu geben. Der Schlauch ist zu rauh und die Ameisen können trotzdem fliehen. Also habe ich einen Streifen Tesa um den Schlauch geklebt und diesen dann mit Parifin bestrichen. Das wirkt und hindert die Ameisen erfolgreich am Ausbrechen. Damit die Insel ein wenig lebendiger wirkt, habe ich ein paar Grassamen ausgesäht. Es wird aber sicher noch ein paar Tage dauern, bis Gras sprießt. Bleibt noch zu erwähnen, wie ich die Ameisen an die Insel herangeführt habe, wenn das überhaupt notwenig war. Kurz nachdem ich die Insel angeschlossen habe, wurde sie von ein paar Workern erkundet. Ein Schälchen mit Honig lockte dann noch ein paar mehr Ameisen an. So waren schon nach einer Stunde etwa 30 Ameisen auf der Insel am herumschnüffeln und hatten die ersten Grabungen aufgenommen. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der Idee und der Umsetzung.
die gesamte Anlage mit Insel Insel mit Anschluss an Arena Ausbruchschutz     Zutritt in den Schädel
letzte Sicherheitsmaßnahme Columbus und seine Männer währendessen: der Farmausbau Kammer am Farmeingang
untere Kammer an der Drenage Aushubberg wächst weiter an endlich stürmen sie das Buffett
Der 04.07. ist ein Tag der Kreativität und des Fleisses. So habe ich die Insel verschönert und der Skulptur ne Kippe in den Mundwinkel gestopft, was meiner Meinung die Insel umso interessanter gestaltet ;). Dann ist auf der Insel der erste Rasen gesprossen - etwas dünn, aber besser als zu viel. Die meiste Arbeit machte mir aber das Video, das ich von der aktuellen Lage in meinem Myrmica Rubra Staat aufgenommen habe. Hier also die neuen Bilder und mein ganzer Stolz: das neue Video!
>>>> Video - Meine Kolonie Myrmica Rubra aktuell bei YouTube!Sie hat das Rauchen wieder angefangen.. ...aber die Kippe steht ihr gut!
Am 05.07. bekomme ich endlich eines der neu geschlüpften geflügelten Männchen nah genug an die Kamera. Dieses wird von einer Workerin gut umsorgt und am Ablug gehindert (siehe Photos). Später fange ich eine große Schmeißfliege, die ich natürlich meinen hungrigen Ants anbieten möchte. Als ich die Fliege hereinwerfe, stürzen sich bestimmt 30 (!) Worker sofort auf die Fliege. Diese tritt die Ameisen, die sich an den Beinen festhalten wollen einfach weg, daß sie durch die Arena fliegen. Das sah schon sehr lustig aus! Allerdings gelingt es den Ameisen innerhalb von Minuten die Fliege zu überwältigen, zu stechen ein wilder Kampf entsteht. Dazu müßt ihr unbedingt das unten stehende Video sehen, um einen nur teilweisen Einblick in dieses Geschehen zu bekommen! Es ist wahrlich gigantisch, wie die kleinen Myrmica die große Fliege attackieren. Die gesamte Kampfhandlung hat etwa 20 Minuten gedauert. Da ging die Post ab, kann ich nur sagen!
>>>> Video - 30 meiner Myrmica Rubra greifen eine dicke Schmeißfliege an!die Workerin hindert das Männchen.. ..mit ganzer Kraft am Abflug guter Größenvergleich     Angriff auf Schmeißfliege
17.09.Nach den Änderungen von der Homepage habe ich wieder Zeit für die Aktualisierung meines Tagebuchs über die kleinen Knotenameisen. Was hat sich getan? Sie sind mal wieder mehr geworden und ansonsten lasse ich lieber Bilder und ein neues Video sprechen, daß auch bei Youtube zu sehen ist:
dicht bevölkertes Antisland Farm derzeitger Stand Nahrungsgabe   mehr und mehr..
..Ameisen stürzen.. ..sich auf.. ..5 Heimchen
08.10. Eigentlich sollten meine Myrmica rubra zusammen mit den anderen Kolonien heute eingewintert werden. Allerdings hat sich dies als so gut wie unmöglich herausgestellt. Bei den Massen an Ameisen (mittlerweile über 1000) gelingt es mir einfach nicht die Farm von der Arena zu trennen. Immer wieder strömen neue Angreifermassen aus der Farm in die Arena. Meine Hände haben so einige Stiche abbekommen. Außerdem befinden sich immernoch um die 100 bis 150 Ameisen in der Arena. Ich habe einfach keine Chance, egal wie schnell ich agiere. Deshalb beschließe ich die Kolonie einfach den Winter hindurch zu pflegen. Ich mache mir dabei keine großen Sorgen, ist die Anzahl der Tiere so sehr enorm und die Kolonie sehr stark. Ich bin selber gespannt, ob es Auswirkungen auf die Kolonie gibt. Jedenfalls sehe ich keine Möglichkeit der Überwinterung.
20.10. Es wird Zeit die Ameiseninsel in Schuss zu bringen. Der weiße Saharasand erinnert mittlerweile eher an eine Kindersandgrube auf einem Spielplatz in Köln Porz. Also mache ich mich ans Werk. Das Resultat sieht man dann auch auf den unten stehenden Bildern. Es sieht viel besser aus und die Ameisen durchstöbern die Insel nach dem Wiederanschließen an die Arena zu hundert Tieren. Außerdem noch zwei Schnappschüsse von der bevölkerten Arena und der stark besuchten Wassertränke:
Antisland: neuer Saharasand Betrieb vor dem Inselnest und vor dem Schönheitsbrunnen erst recht in der Arena