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Übersicht:


Was ist eine Depression?

Was sind die Folgen einer Depression?

Suizidalität oder X 84.9!

Formen von Depressionen

Hauptdiagnosen nach ICD-10

Behandlung von Depressionen

Infos zu Antidepressiva

Psychiatrie

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Volkskrankheit Depression

Ich gehöre zu den Menschen, die anfällig für Depressionen sind. Mittlerweile ist es Jahre her, daß mich die Depression über- rollte und krank machte. Trotzdem kann es wieder passieren und einen jeden Menschen treffen! Es gibt keinen Menschen, der davor gewappnet ist. Insbesondere in der heutigen Zeit, sind immer mehr Menschen betroffen. Deswegen gibt es keinen Grund dafür sich zu schämen.


Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine seelische Krankheit, die genau wie ein Beinbruch behandelt werden muß. Es ist die gefürchtetste aller seelischer Krankheiten (Selbsttötungsneigung). Im Gegensatz zu Verstimmungen, wie sie zum Beispiel bei dem Tod eines Angehörigen auftreten oder bei Problemen anderer Art, "heilt die Zeit nicht die Wunden". Eine Depression kann man nicht einfach aussitzen, abwarten daß sie vorrübergeht. Wie also unterscheidet man zwischen "normaler Traurigkeit" und Depression? Wer "nur" traurig ist, geht wohl kaum zum Arzt. Bei einer Depression kommt es wie bei mir soweit, daß man entweder wegen dem unerträglichen Gesamtzustand zum Arzt geht oder zur Selbsttötung greift.

Eine Depression verändert ihr Opfer tiefgreifend, und zwar seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und leistungsmäßig beruflich. Während einer Depression kann man das Leben nicht mehr so weiterführen wie bisher - oder nur mit der größten Anstrengung. Depressionen sind vor allem deshalb so gefürchtet, weil sie alle Lebensbereiche beeinträchtigen. Einer Depression ausgeliefert sein, heißt nirgends mehr Zuflucht zu finden. Depressionen gehören zusammen mit der Alzheimer Demenz nicht umsonst zu den gefürchtetsten Krankheiten.

Depression ist nicht nur Schwermut. Im Gegenteil: Viele Depressive schleppen sich erst einmal mit Leistungsabfall und körperlichen Beschwerden dahin und dies oft viel zu lange, d. h. im Schnitt mehrere Monate, falls sie überhaupt ihren Arzt konsultieren.

Anzeichen einer Depression können sein: depressive Herabgestimmtheit von abnormem Ausmaß, Verlust von Interesse und Freude, verminderter Antrieb und abnorme Ermüdbarkeit, Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, unbegründete Selbstvorwürfe, Gedanken an den Tod, auch von eigener Hand, Denk- und Konzentrationsstörungen, Bewegungsstörungen: entweder passiv, schwach, kraftlos oder gespannt-rastlos umhergetrieben, Schlafstörungen, ausgeprägte Änderungen des Appetits (meist Gewichtsverlust, seltener Heißhunger). Patienten klagen vor allem über Schlaf-, Appetit-, Magen-Darm-, Herz- und Atmungsstörungen, über Verspannungen, Gelenk-, Rücken- und Muskelschmerzen, ehe sie - meist nur auf direktes Befragen - auch Merk- und Konzentrationsstörungen, Unruhe, innere Anspannung, Entscheidungsunfähigkeit, Interesseschwund, Gleichgültigkeit und allgemeine Lustlosigkeit zugeben. Oft sind wie bei mir auch Angstzustände und ein depressiver Wahn als Aspekt zu sehen. Dies äußert sich insbesondere darin, daß Fehleinschätzungen der Realität auftreten, die allerdings nur anderen Menschen auffallen. Nicht jedoch dem Betroffenen.

Dabei hilft die alte Erkenntnis weiter: Eine Depression äußert sich eher in einer Art Elendigkeitsgefühl ("wie bei einer schweren Grippe") als durch auffällige Traurigkeit.

Heute vermutet man, dass zwar nur wenige (rund 1 %) wegen einer schweren Depression in einer psychiatrischen Fachklinik behandelt werden müssen, doch mehr als jeder zehnte Patient des Hausarztes unter depressiven Zuständen leidet. Und das Schlimmste dabei: Nicht einmal ein Fünftel der Betroffenen wird rechtzeitig als depressiv erkannt und konsequent behandelt, weil nicht einmal der Betroffenen weiß, was er hat, geschweige denn damit zum Arzt geht.


Was sind die Folgen einer Depression?

Zwischenmenschliche Folgen: Ängstlich registrierte Minderung der Kontaktfähigkeit bei jedoch unverändert vorhandenem Kontaktwunsch: Partner, Kinder, Eltern, sonstige Verwandte, Freunde und Bekannte, Nachbarn, Berufskollegen, Zufallsbekanntschaften u. a.; dadurch Gefahr der gemütsmäßigen Vereinsamung, des Rückzugs der Umwelt, des Abbruchs alter Beziehungen mit der Unfähigkeit, neue zu knüpfen, kurz: Isolation

aber auch: Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege, ungewohnte "Unzuverlässigkeit", "Nachlässigkeit", "Gleichgültigkeit", "leises Einschlafen der Kontakte" bei seelisch-körperlich gehemmten Depressiven und aktiver Rückzug der Umgebung bei getrieben-klagsamen, hypochondrischen oder gar hilflos-feindselig reagierenden Patienten.

Berufliche Folgen: Bei den beruflichen Folgen droht vor allem das Unvermögen, mit alltäglichen Aufgaben und bisher problemlos bewältigten Schwierigkeiten fertig zu werden: Unfähigkeit, sich zu den einfachsten Alltagsverrichtungen aufzuraffen - und wenn, dann mit plötzlich langer Anlaufzeit und unendlicher Mühsal: "doppelter Einsatz bei halbem Ertrag". Das betrifft sowohl den Beruf als auch den Haushalt; vor allem die Schwierigkeiten, eine Tätigkeit zu beginnen und durchzuhalten, sogar bei automatisierten Fertigkeiten und Routinehandgriffen.

Die Folgen: Verwunderung, Irritation, Verärgerung, ungnädige Anfragen, demütigende Aussprachen, unnötige Auseinandersetzungen, atmosphärische Belastung in Familie und Betrieb, Gefahr der Versetzung, Herabstufung oder gar des Arbeitsplatzverlustes, entweder durch Kündigung von Arbeitgeber oder gar Patienten selber, der durch seine krankheitsbedingten Minderwertigkeits- und Schuldgefühle schließlich völlig zermürbt aufgibt.


Suizidalität oder X 84.9!

Ich nenne dieses Kapitel aus persönlichen Anlass "mein zweites Leben". Denn ich habe den Rückfall in die Depression nach meinem ersten Psychatrieaufenthalt nicht mehr ausgehalten und habe zu einer Flasche Wodka und dem Duschschlauch gegriffen, um mich zu strangulieren. Dieser Versuch scheitere nur knapp. Doch mit dem Suizidentschluss wollte ich bevor ich meine damalige Freundin anrief um mich zu verabschieden einen weiteren Weg in den Freitod suchen. Dies ist durch schnelles Handeln meiner Freundin und meiner Familie vermieden worden. Ich weiß, sonst wäre ich heute nicht mehr unter uns.

Tatsächlich verstehe ich Menschen, die den Freitod suchen sehr gut. Ein gesunder Mensch vermag das kaum, aber ein depressiver Mensch kann nur zu leicht verstehen.

Mehr als 12.000 Menschen verlieren allein in Deutschland pro Jahr ihr Leben durch eigene Hand. Das ist inzwischen ein Drittel mehr als die ebenfalls erschreckende Zahl an jährlichen Verkehrstoten. Nur über Letzteres erfährt man schon in den Lokalteilen der Zeitungen alles, über die Suizidgefahr wenig bis nichts. Das führt zu einer Verschiebung der Gefahrenschwerpunkte und lässt die Wachsamkeit in dieser Hinsicht verkümmern.

Erschreckend: Die Suizidrate ist bei depressiv Erkrankten 30-mal höher als in der Gesamtbevölkerung. 15 % der Patienten mit einer schweren Depressionen sollen Hand an sich legen. Dem Hausarzt kommt dabei eine besondere Aufgaben zu: Aus einer entsprechenden Studie ging hervor, dass vier von zehn Menschen, die sich das Leben nahmen, in der Woche vor ihrem Tod den Hausarzt aufsuchten.

Mich schockieren diese Zahlen nicht. Aber es sollte doch einen Anlass zum Nachdenken geben, warum entsprechende Statistiken so ausfallen. Ich habe dafür die Erklärung, daß die Sensiblisierung der Mitmenschen in der heutigen Zeit für Anzeichen eines Suizides eines Menschen nicht mehr gegeben ist, wie sie früher gegeben war. Außerdem führt oftmals soziale Vereinsamung dazu, daß kein Mensch als Ansprechpartner dient und Suizide von Mitmenschen lange Zeit unbemerkt bleiben.

Merke: - Selbstmörder ist man lange, bevor man Selbstmord begeht!
              - Selbstmord, das ist die Abwesenheit der Anderen


Ich kann nur aus eigenen Erfahrungen sprechen. Sollte man Suizidgedanken verspüren, dann sollte man die Einsamkeit meiden und einen Arzt aufsuchen. Die Einweisung in die Psychatrie ist unumgänglich und äußerst notwendig!!!

Mit dieser Aufforderung schließe ich das traurigste Kapitel meines Lebens. Ich bin im übrigen bereit jederzeit Fragen um dieses Thema zu beantworten. E-mail: joerg.dallmann@web.de

Welche Formen von Depressionen gibt es?

Zunächst sei gesagt, daß es viele Unterscheidungen und Formen von Depressionen gibt. All diese Formen zu erwähnen und zu erläutern, würde den Rahmen sprengen und den Betroffenen sicherlich keine Hilfe sein. Zusammenfassend unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie folgt:

Depressive Episode: depressive Stimmung von abnormem Ausmaß, weitgehend unbeeinflusst durch äußere Umstände, mindestens zwei Wochen anhaltend und zwar fast täglich und dabei die meiste Zeit des Tages belastend. Ferner Verlust von Interesse und Freude, verminderter Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit.

Dazu können folgende Randsymptome kommen: Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, unbegründete Selbstvorwürfe, Gedanken an Selbsttötung oder Tod, Denk- und Konzentrationsstörungen, Änderung der seelisch-körperlichen Aktivität (verlangsamt oder angetrieben) sowie Schlafstörungen und Appetitänderung. Liegt eine schwere depressive Störung vor, die zusätzlich psychotische Symptome aufweist (Wahn, depressive seelisch-körperliche Erstarrung, Sinnestäuschungen), bei der kein Hinweis auf eine schizophrene Psychose oder schizoaffektive Störung zu finden ist, bezeichnet man dies als schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen.

Eine rezidivierende depressive Störung liegt dann vor, wenn sich die depressiven Episoden wiederholen: mindestens zwei depressive Episoden, von denen eine zwei Wochen oder länger angehalten hat und zwischen denen ein beschwerdefreies Intervall von mindestens zwei Monaten lag.

Bipolare affektive Störungen sind wiederholte (d. h. wenigstens zwei) Episoden, bei denen sich depressive Zustände mit manischen abwechseln. Was versteht man nach ICD-10 unter einer manischen Episode?

Eine manische Episode wird dann diagnostiziert, wenn folgende Merkmale gegeben sind: gehobene, gereizte Stimmung in deutlich abnormem Maß über eine Woche andauernd, vor allem mit schwerer Beeinträchtigung der Lebensführung. Ferner gesteigerte Aktivität oder Bewegungs-Unruhe (Ruhelosigkeit), vermehrte Gesprächigkeit (Rededrang), vermindertes Schlafbedürfnis, verstärkte sexuelle Energie, dazu tollkühnes und leichtsinniges Verhalten, rasche Ablenkbarkeit mit ständig wechselnden Plänen, Verlust sozialer Hemmungen, Ideenflucht oder Gefühl des Gedankenjagens sowie überhöhte Selbsteinschätzung mit ggf. Größenideen.

Eine Hypomanie ist eine weniger ausgeprägte Manie mit gehobener oder gereizter Stimmung von deutlich abnormem Maß über vier aufeinanderfolgende Tage hinweg, die zu einer gewissen Beeinträchtigung der Lebensführung führt. Auch hier finden sich gesteigerte Aktivität und Ruhelosigkeit, Rededrang, vermindertes Schlafbedürfnis und erhöhte sexuelle Energie, jedoch "nur" eine gesteigerte Geselligkeit mit ggf. leichtsinnigem Verhalten.


Hauptdiagnosen nach ICD-10:

Hier habe ich Euch die Haupteinteilung der häufigsten Diagnosen nach ICD-10 aufgelistet. Es gibt sicher noch viele weitere Diagnosen, die sich mit Depressionen beschäftigen. Allerdings sehe ich keine Notwendigkeit darin alles aufzuführen.

Tip: Wenn ihr Fragen zu einer bestimmten in ICD-10 Code verfassten Diagnose habt, gebt diese einfach in der Suchmaschine ein. Das Internet bietet viele Webseiten dazu und ihr werdet sicher zu jeder speziellen Diagnose etwas finden.

Hier die wichtigsten Einteilungen: F32.- Depressive Episode

Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.

F32.0 Leichte depressive Episode

Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.

F32.1 Mittelgradige depressive Episode

Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden, und der betroffene Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome

Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig, und meist liegen einige somatische Symptome vor.

Einzelne Episode einer agitierten Depression
Einzelne Episode einer majoren Depression [major depression] ohne psychotische Symptome
Einzelne Episode einer vitalen Depression ohne psychotische Symptome

F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Eine schwere depressive Episode, wie unter F32.2 beschrieben, bei der aber Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorische Hemmung oder ein Stupor so schwer ausgeprägt sind, dass alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich sind und Lebensgefahr durch Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen kann. Halluzinationen und Wahn können, müssen aber nicht, synthym sein.

Einzelne Episoden:
majore Depression [major depression] mit psychotischen Symptomen
psychogene depressive Psychose
psychotische Depression
reaktive depressive Psychose

Wie werden Depressionen behandelt?

Depressionen werden auf verschiedenen Wegen behandelt. Am häufigsten werden sogenannte Psychopharmaka verschrieben. Begleitend mit einer Psychotherapie, die sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzen kann ist dies die wahrscheinlichste Form der Behandlung Ich wurde in dieser Form erst stationär und später ambulant behandelt. Deswegen möchte ich insbesondere auf diese beiden Formen genauer eingehen. Zunächst zu den Therapieformen.

Hauptsäule einer ambulanten oder stationären Behandlung sollte immer die Psychotherapie sein. In meinem Fall wurden folgende Psychotherapien angewandt:

Gesprächstherapie, Gruppengesprächstherapie: Hier wird in Einzelgesprächen mit einem Verhaltenstherapeuten Ängsten, Sorgen und seelischen Störungen auf den Grund gegangen. In einer Depression ist oft das "darüber Reden" die Beste Medizin. Ein professioneller Verhaltenstherapheut gibt dabei fachmännische Aufbauhilfe. Man redet sich alles von der Seele, was man sich vielleicht im Umfeld der Familie nicht tun würde. Aus Scham oder auch aus Angst, daß man auf Unverständnis stößt. Was verständlich ist.

Eine ähnliche Therapieform ist die Gruppengesprächstherapie. Hier wird in einem kleinen Kreis aus Patienten, einem Psychater oder Psychotherapeuten gemeinsam über die Probleme diskutiert. Es ist nicht so intim, wie ein Einzelgespräch, aber oft ist es die Gruppe, die in Diskussionen sich gegenseitig hilft und einzelnen das Gefühl vermittelt wieder etwas Wert zu sein. Oftmals ist es wie bei mir für den Patienten eine neue Erfahrung, wenn andere Menschen über die Probleme eines anderen diskutieren. Man bekommt das Gefühl etwas Wert und anderen Menschen nicht gleichgültig zu sein. Hinzu kommt, daß mehrere Köpfe sich mit einem Problem befassen und eine Menge Lebenserfahrung einfließt. So mancher Mitpatient wird aus eigener Erfahrung sprechen können.

Beschäftigungstherapie:

In der Beschäftigungstherapie werden oft unterschiedlichen Dingen nachgegangen. Zum einen soll der Patient Eigeninitiative ergreifen, sowie kreativ sein. Unterstützt von einem Therapeut entstehen Bilder, Holzarbeiten, Töpferarbeiten. Dabei bleibt dem Patienten frei gestellt, was er gerne machen möchte. In Bildern werden häufig Gefühle zum Ausdruck gebracht. Aber auch in Töperarbeiten und in Holzarbeiten kommt dies zum Ausdruck. Wichtig ist die anschließende Besprechung der Arbeiten und Interpretation. Es mag vielleicht zunächst etwas kindisch sein, aber wenn man ehrlich zu sich ist kann eine Beschäftigungstherapie sehr befreiend und wohltuend sein. Aus eigener Erfahrung sage ich, daß teilweile Glpcksgefühle dabei entstanden sind.

Musiktherapie:

Die Musiktherapie findet in der Gruppe statt und dient den Patienten an Instrumenten Ihrer Wahl ohne musikalischen Hintergrund die Gefühle am Instrument auszulassen. Musik drückt sehr viele Gefühle aus. Besonders mir hat es gut getan je nach Stimmung sich das passende Instrument auszusuchen und drauf los zu klimpern. Unterstützt von einem Therapeuten merkt man wie in dem scheinbaren "Instrumentenwirrwarr" eine gewisse Harmonie entsteht. Manchmal klingt die Musik befreiend, manchmal schwermütig und bedrückt. Meine Erfahrung mit der Musiktherapie war, daß ich sehr befreit war, nachdem die Stunde zu Ende war. Manchmal kommt es allerdings auch vor, daß wenn Spannungen in der Gruppe liegen man eher mit Kopfschmerzen die Stunde verläßt. Im Grunde aber eine sehr gute Möglichkeit der Therapie, die genutzt werden sollte.

Tanztherapie/Bewegungstherapie:

Eine Therapieform, bei der nicht wie der Name sagt getanzt wird, sondern vielmehr in einer Art "Turnstunde" mit Bällen und anderen Accsesoirs hantiert wird. Es gibt sehr viele Möglichkeiten und Übungen. Dabei werden oft auch Emotionen gelöst. Mich hat die Tanztherapie immer sehr nachdenklich gemacht. Man ist körperlich gefordert, aber auch geistig. Auch eine gute Therapieform.

Entspannungstherapie:

Diese Therapieform findet in einem ruhigen Raum statt, bei dem sich jeder Patient eine Liegematte nimmt und sich bequem auf den Rücken legt. Nach Jacobs werden nun mit leichter Hintergrundmusik die Augen geschlossen und sich auf den Körper konzentriert. Dabei gibt der Therapeut das Programm vor. Es werden langsam nacheinander alle Muskeln beansprucht und entlastet. Dabei habe ich immer eine gewisse Wärme verspürt. Der Blutkreislauf wird unterstützt und der Körper ist nach der gesamten Stunde entspannt. Diese Therapieform hat aus den Gepsrächen mit anderen Patienten die größten Unstimmigkeiten verursacht. Während einige Patienten nach der Therapiestunde ein Gefühl des "neu geboren seins" beschrieben, konnten andere Patienten nicht ausreichend zur Ruhe kommen, da sie nicht zur geforderten Zeit "abschalten, loslassen" konnten. Ich habe beides selber erfahren. Zudem ist bei mir noch der Effekt aufgetretenm, daß mich die Hintergrundmusik sehr melanchonisch werden ließ. Mich erinnerte die Musik ein eine leise Trauermusik, wie bei meinem eigenen Begräbnis. Es bleibt jedem selbst überlassen, was er von der Entspannungstherapie hält und für sich mitnimmt.

Die Beste Therapie, egal ob stationär oder ambulant durchgeführt ist nicht sehr wirksam, wenn nicht zusätzliche Psychoparmaka verabreicht werden. Hierbei kommen folgende Pychopharmaka zum Einsatz:

Antidepressiva:

Die ultimative Hauptwaffe, die die Medizin gegen Depressionen zu bieten hat. Sie wirken stimmungsaufhellend und unterstützt die Psychotherapie ungemein. Ich bin sehr dankbar dafür, daß es Antidepressiva gibt. Ich nehme übrigens ein Antidepressiva mit dem Namen "Trevilor (retard)" ein, daß zudem angstlösend wirkt. Retard steht nur dafür, daß es langanhaltend wirkt. Es gibt aber noch eine ganze Palette an anderen Antidepressiva. Das ist gut, denn nicht alle Patienten vertragen bestimmte Antidepressiva gleich gut.

Um bestimmte Effekte zu unterstützen setzten Psychater zu Antidepressiva gelegentlich wie bei mir noch andere mehr oder weniger bekannte Psychopharmaka ein:

Schlafmittel (Hypnotika)

Fast alle depressiven Patienten leiden unter Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen sowie das zermürbende Früherwachen mit Berg auf der Brust und Panik vor dem kommenden Tag. Schlafstörungen können mehrere Gründe haben, die es erst einmal herauszufinden gilt. Um aber "nicht völlig von Kräften zu kommen", versuchen es viele Betroffene zunächst mit Schlaftabletten. Das ist kein Fehler. Bald aber muss auch klar werden, um welche Ursache es sich handelt. Nicht selten ist es eine bisher verkannte Depression.

Manche Patienten leiden übrigens nicht an einem Schlafdefizit, sondern schlafen sogar länger als sonst, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Ihr Schlaf ist jedoch unerquicklich und die Leistung sinkt trotz allem ab. Auch das kann eine Depression sein, eine sogenannte saisonale oder Winterdepression.

Auf jeden Fall regelt sich bei einer medikamentösen Depressions-Therapie der Schlaf nicht nur über Schlaftabletten. Oft reicht auch ein schlafanstoßendes Antidepressivum, das beide Aufgaben übernimmt: Stimmungsaufhellung und Schlafförderung.

Ich nehme unterstützend zum Antidepressiva "Zopiclon" Schlaftabletten ein. Sie wirken gut und bereits nach einer viertel Stunde. Morgens ist man etwas mürbe, aber das tut der Einnahme keinen Abbruch. Denn jeder Mensch braucht Schlaf.

Schmerzmittel (Analgetika)

Depressionen können sich in vielfältigen schmerzhaften Beeinträchtigungen äußern, teils ohne Grund, teils als Verstärkung eines vorbestehenden Schwachpunktes: Kopfschmerzen, Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich, Herzbeschwerden (Stechen, Brennen, Druck), Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen, meist diffus und wandernd. Dazu allgemeine Missempfindungen wie Ziehen, Brennen, Reißen u. a.

Die Patienten greifen zermürbt zu Schmerztabletten und müssen bald resigniert feststellen: Es hilft alles nichts. Seelisch ausgelöste oder verstärkte Schmerzen sind häufig dadurch charakterisiert, dass sie die Betroffenen "so wie wenn" oder "als ob", also irgendwie "anders" empfinden. Und dass sie dann durch Schmerztabletten auch nicht zu mildern und schon gar nicht zu beheben sind, zumindest auf Dauer. Dafür versteckt sich hinter solchen diffusen und schwer deutbaren Schmerzen mitunter eine unerkannte Depression. Auch hier wäre also das Wichtigste ein Antidepressivum und nicht Schmerztabletten.

Ich habe keine Erfahrung mit Schmerztabletten bei Depressionen und halte mich deswegen aus einem Kommentar raus. Allerdings unterstreiche ich persönlich letzeren Satz.

Gehirnstoffwechsel-anregende Arzneimittel (Nootropika, Antidementiva)

Depressionen gehen in jedem Lebensalter mit verminderter Aufmerksamkeit, verstärkter Energielosigkeit, zunehmender Entscheidungsunfähigkeit, vor allem aber mit Merk- und Konzentrationsstörungen einher. Das Denken wird langsam, umständlich, mühsam, einfallsarm, die Vergesslichkeit nimmt bedenkliche Formen an. Zuletzt geraten die Betroffenen regelrecht in Panik, weil "ihr Kopf völlig leer ist". Das setzt schon jungen Leuten zu. Im höheren Lebensalter aber quält eine besondere Angstvorstellung: Die Furcht, eine Demenz, vor allem die am häufigsten zitierte Alzheimer´sche Demenz, also eine vorzeitige Geistesschwäche zu bekommen, aus der es kein Zurück mehr gibt.

Wenn es sich um eine depressive Denkerschwernis handelt, nennt man das in Fachkreisen auch eine "depressive Pseudo Demenz", weil sie einer wirklichen Geistesschwäche so täuschend ähnlich sieht. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Die echte Demenz schreitet meist fort. Die geistige Beeinträchtigung durch eine Depression dagegen hellt sich wieder auf, wenn die Depression zurückgeht.

Bevor man aber die Diagnose einer Depression ins Auge fasst, vor allem weil nur wenige wissen, dass Depressionen mit Merk- und Konzentrationsstörungen sowie unfassbarer Vergesslichkeit einhergehen, verlangen viele Betroffene (und ihre Angehörigen!) vom Arzt eine Behandlung mit Arzneimitteln, die den Gehirnstoffwechsel anregen ("die Gehirndurchblutung verbessern"). Selbst wenn der Arzt die Depression erkennt und eine gezielte Behandlung mit Antidepressiva vorschlägt, muss er oftmals immer noch gegen die irrige Meinung ankämpfen, hier würden nur "Gehirntabletten" weiterhelfen.

Bei einer echten Demenz hat ein solcher Behandlungsversuch seine Berechtigung. Bei einer Depression aber bringen nur Antidepressiva die alte Denkleistung wieder zurück.

Auch hier habe ich keine Erfahrung gemacht. Es soll den Betroffenen aber davon abhalten Nootropika und Antidementiva einzunehmen, bzw. sich vom Arzt verschreiben zu lassen. Ich hatte auch unter massiver Geistesschwäche zu leiden. Konzentrieren und Dinge merken konnte ich mir so gut wie gar nicht. Es war so schlimm, daß ich meine PIN-Geheimzahl der EC Karte vergaß. Trotzdem würde ich nicht Arzeimittel zur Gehirndurchblutung einnehmen und diese kategorisch ablehen. Wie gesagt, was wirklich nur dagegen hilft ist ein Antidepressiva.

Beruhigungsmittel (Tranquilizer)

Beruhigungsmittel (Fachbegriff: Tranquilizer vom Benzodiazepin-Typ) sind bei einer Depression auch kein Ersatz für Antidepressiva, geschweige denn eine vollwertige Behandlung. Das kann nicht oft genug betont werden. Denn viele depressive Patienten und ihre Angehörigen bedrängen ihren Arzt, lieber Beruhigungsmittel statt Antidepressiva zu versuchen.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen gehören Antidepressiva zu den eher "ungeliebten" Psychopharmaka. Man fürchtet sich vor ihren Nebenwirkungen, ja sogar vor ihrer Suchtgefahr (was nicht stimmt, während Beruhigungsmittel tatsächlich abhängig machen, was meist verdrängt wird). Auch spielt hier ein psychologischer Aspekt mit herein: Niemand möchte gern krank sein, schon gar nicht seelisch krank. Beruhigungsmittel "schluckt jeder", das besagt also noch nichts. Aber wer nimmt schon Antidepressiva? Doch nur der, der seelisch krank ist. Also lehnt man die einzig richtige Behandlung ab, um sich und aller Welt zu beweisen, dass man in Wirklichkeit gar nicht krank ist, höchstens ein wenig erschöpft ...

Darüber hinaus helfen Beruhigungsmittel tatsächlich oft erstaunlich schnell. Sie beruhigen, ohne völlig "niederzudämpfen" und sie lösen die Angst wie keine andere Substanz. Die Stimmung hebt sich (scheinbar) etwas und man wird angenehm gleichgültig. Das muss alles nicht falsch sein, nur darf man eines nicht vergessen: Beruhigungsmittel wirken nicht antidepressiv.

Wer also eine Depression hat und nur Beruhigungsmittel einnimmt, kann nicht erwarten, dass sich seine Depression wirklich aufhellt - im Gegenteil. Längerer Gebrauch von Beruhigungsmitteln macht nicht nur abhängig, sondern kann die Depression sogar verstärken. So etwas nennt man dann eine pharmakogene, also eine durch chemische Substanzen ausgelöste, verstärkte oder verlängerte Depression.

Obgleich Beruhigungsmittel also keine stimmungsaufhellende Wirkung haben, wird ihr angstlösender und beruhigender Effekt trotzdem gerne genutzt, wenn es sich um unruhig-gespannte und durch Ängste gepeinigte Depressive handelt. Dann kann die Kombination aus Antidepressivum und Beruhigungsmittel die beste Lösung sein. Nur muss man eines dabei beachten: Das antidepressive Mittel muss über Monate hinweg eingenommen werden, bis die Depression wirklich gewichen ist. Das Beruhigungsmittel wird nur so lange genutzt, bis sich Angst und Anspannung gelöst haben. Das kann schon nach kurzer Zeit der Fall sein und sollte auf jeden Fall nicht länger als einige Tage bis wenige Wochen dauern.

Ich nehme Beruhigungsmittel, die mir wirklich in schlimmeren Phasen helfen. Allerdings ist es sinnvoll Beruhgungsmittel nur in Kombination mit Antidepressiva einzunehmen und es nicht zu hoch zu dosieren. Ich bin zur Zeit dabei mich vom Beruhigungsmittel zu lösen. Ich nehme folgendes Beruhigungsmittel ein: "Taxilan 25 mg Kapseln"


Antidepressiva - oder die Hauptwaffe der Medizin gegen Depressionen neben der Psychotherapie

Es gibt Dutzende von Antidepressiva als Handelspräparate. Entscheidend aber ist nicht der Handelsname, sondern die jeweilige Wirksubstanz bzw. der Wirkstoff. Davon gibt es schon nicht mehr so viele, etwa zwei Dutzend. Einige von ihnen wirken ähnlich, aber keinesfalls alle. Wie unterteilt man die Antidepressiva? Am häufigsten nach ihrem Wirkungsschwerpunkt. So gibt es

1. Antidepressiva, die weder merklich dämpfen noch aktivieren,
2. Antidepressiva, die einen antriebssteigernden Effekt entwickeln und
3. Antidepressiva, die vor allem beruhigen, entspannen und damit schneller angstlösend wirken.

Diese Einteilung ist wichtig, damit jede Art von Depression das für sie zuständige Antidepressivum erhält. So sollen beispielsweise ängstlich-gespannte Kranke keine aktivierenden Antidepressiva erhalten, da sonst die kräftezehrende Unruhe noch weiter zunimmt, was gefährlich werden kann (z. B. Selbsttötungsneigung). Ein Problem ist der Umstand, dass manche Depressive nach außen eher müde oder gar energielos wirken, im Inneren aber unruhig und gespannt sind. Das muss man deshalb gezielt erfragen.

In Ärztekreisen unterscheidet man auch nach Wirkstoff oder Stoffklasse bzw. nach biochemischer Struktur. Dort hört man dann auch Fachbegriffe wie trizyklische oder tetrazyklische sowie atypische Antidepressiva bzw. Neu-Entwicklungen wie die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Monoaminooxidase-Hemmer (MAOH), sogenannte "duale" Antidepressiva u. a.

Vorsichtsmaßnahmen:

Bei der Wahl des richtigen Antidepressivums muss man auch wissen, ob sich seine Nebenwirkungen mit einer bestimmten Krankheit nicht vereinbaren lassen, die der Patient sonst noch zu ertragen hat. Das Gleiche gilt für bestimmte Arzneimittel, die sich evtl. gegenseitig behindern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Dies ersieht der Arzt aus den sogenannten Fachinformationen und der Patient aus der Packungsbeilage unter den Überschriften Anwendungsbeschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen.

Dosierung und Dosisverteilung:

Jedes Arzneimittel hat seinen speziellen Dosisbereich. Wenn man mehr nimmt, kann das die Nebenwirkungen erhöhen. Nimmt man zu wenig, kann es den Wirkeintritt, also die ja sehnlichst erhoffte Stimmungsaufhellung verlangsamen. Allerdings muss man bei der Dosis auch das Alter bzw. die Hinfälligkeit durch sonstige Krankheiten berücksichtigen. Auf jeden Fall erhöht man die Dosis langsam, denn jeder Patient reagiert anders, was man vorher kaum abschätzen kann.

Der Wirkungseintritt aller Antidepressiva lässt in der Regel auf sich warten: eine Woche, zwei Wochen, manchmal drei Wochen bis zur sehnlich erhofften Stimmungsaufhellung. Das heißt jedoch nicht, dass das Medikament überhaupt nicht wirkt. Es braucht nur seine Zeit, bis es über den sich langsam normalisierenden Gehirnstoffwechsel "greifen" kann.

Verlauf:

Außerdem verläuft die Besserung häufig wellenförmig. Das ist die Regel. Hauptsache, es zeigt sich ein genereller Aufwärtstrend. Dieser kann natürlich nicht am Gesamt-Befinden abgelesen werden. Wer fühlt sich schon auf allen Ebenen- seelisch, geistig, körperlich, beruflich usw. - "rundherum und dauernd wohl und erfolgreich".

Gerade bei der Depression aber sollte man sich vor allem fragen: Welche Krankheitszeichen haben sich gebessert, welche bleiben unverändert störend, hat sich gar etwas verschlechtert? Danach bemisst sich dann die Erfolgs-Beurteilung. Denn in den meisten Fällen hat sich eine ganze Reihe von Symptomen gebessert, andere sind unverändert geblieben oder haben sich bestenfalls ein wenig abgemildert.

Als letztes bessern sich erfahrungsgemäß die höheren geistigen Leistungen wie Merk- und Konzentrationskraft, Problemlösen, besonders in schwierigen Fällen, Kreativität oder schöpferisches Denken usw

Die Behandlungsdauer liegt zwischen vier Wochen und mehreren Monaten. Ein halbes Jahr ist nicht ungewöhnlich. Selbst das Abklingen des Beschwerdebildes bedeutet noch keine vollständige Genesung. Nach Krisen- oder Überforderungssituationen kann es immer wieder zu kleineren "Einbrüchen" kommen (siehe oben). Deshalb sollte man die Therapie selbst nach Besserung noch einige Wochen fortsetzen. Das schützt vor einem ernsteren Rückfall und hilft die Reserven wieder völlig aufzufüllen.

Das Absetzen der Antidepressiva darf nicht schlagartig erfolgen. Sonst drohen Absetzerscheinungen: innere Unruhe, Reizbarkeit, Missgestimmtheit, Angstzustände, Kraftlosigkeit, Schweißausbrüche, Appetitverlust, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall, Schlafstörungen bzw. ängstigende Traumbilder, mitunter Kopf- und Muskelschmerzen, Schwindel, Gefühl des Zerschlagenseins sowie Bewegungsstörungen. Deshalb nur langsam "ausschleichen", um diese Folgen zu vermeiden und die seelisch-körperliche Stabilisierung zu festigen.

Selbsttötungsgefahr:

Ausgerechnet Antidepressiva, die gegen depressive Zustände mit erhöhter Selbsttötungsgefahr eingesetzt werden, sind bei bewusster Überdosierung nicht ohne Risiko - die einen Substanzen mehr, die anderen weniger, aber grundsätzlich alle nicht unbedenklich. Dasselbe gilt auch für irrtümliche Überdosierungen, z. B. bei verwirrten älteren Menschen. Bei lebensmüden Patienten pflegt deshalb der Arzt nur die kleinsten Packungseinheiten zu verschreiben und so gut es geht zu kontrollieren, ob der Betroffene ggf. in selbstzerstörerischer Absicht Medikamente sammelt. Hier müssen vor allem die Angehörigen wachsam bleiben und die Medikamente unter Verschluss halten und selber austeilen.

Nebenwirkungen:

Keine Wirkung ohne Nebenwirkungen, lautet die alte Regel. Solche unerwünschten Begleiterscheinungen sind nach Art und Ausprägung von vielerlei abhängig: Wirkstoff (jeder hat etwas andere Nebenwirkungen), Dosierung (je höher, desto mehr), Behandlungsabschnitt (am meisten zu Beginn), Empfindlichkeit (große individuelle Unterschiede), ggf. zusätzliche Medikamente (Arzneimittel-Wechselwirkung) sowie weitere Faktoren wie persönliche Einstellung, Aufklärungsstand und damit Belastbarkeit von Patient und Familie, ferner Einflussnahme von Bekannten, aber auch Medienberichte.

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Herz- und Kreislaufstörungen: z. B. Pulsbeschleunigung und Blutdrucksenkung.

  • Trockenheit der Schleimhäute mit Durstgefühl, Trockenheit von Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut, gelegentlich Blutungen.

  • Schweißausbrüche, und zwar unabhängig von Temperatur und Tages- bzw. Nachtzeit.

  • Sehstörungen, vor allem durch Verschwommensehen (Randunschärfe).

  • Zittern von Finger, Händen, selten auch Kopf.

  • Magen-Darm-Störungen, vor allem eine Verstärkung der ohnehin depressionstypischen Stuhlverstopfung, gelegentlich aber auch Durchfall sowie Verminderung der Magensaftsekretion.

  • Blasenentleerungsstörungen, besonders bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata).

  • Appetit- und Gewichtszunahme: Das sind zwei der wichtigsten Nebenwirkungen, die mit am häufigsten zu Kummer, Ärger und sogar Behandlungsabbruch führen. Tatsächlich gibt es Antidepressiva, die durch einen besonderen Kohlenhydrat-Heißhunger irritieren, der nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Brot, Teigwaren usw. betrifft.

  • Weitere endokrine Störungen sind Milchfluss und Zyklusstörungen bei der Frau sowie Brustbildung beim Mann.

  • Hauterscheinungen jeglicher Form: Ödeme (Wasseransammlungen in den Geweben von Lider, Gesicht und Fußknöchel), Juckreiz, mitunter sprödes Haar oder Haarausfall.

  • Blutbildveränderungen der roten und weißen Blutkörperchen. Warnsymptome: Fieber, Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündung, Schleimhautgeschwüre, eitrige Angina - kurz: "grippeähnliche Beschwerden ohne Grippe".

  • Gerinnungssystem: gelegentlich Thrombosen (Blutpfropfbildung) und Embolien (plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes), am ehesten bei Vorschädigung, im höheren Alter und bei ständig liegenden Patienten.

  • Epileptische Krampfanfälle, besonders bei plötzlicher Erhöhung oder Reduktion der Dosis, bei sehr hohen Dosen oder entsprechender Vorschädigung (Epilepsie, Alkoholismus, Kopfunfall). Vorsicht bei blutigem Kopfkissen am Morgen oder gar Bissmalen an Zunge oder Wangenschleimhaut (= nächtliche Krampfanfälle).

  • Leberfunktionsstörungen, vor allem bei entsprechender Vorschädigung: Appetitlosigkeit, Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit, Juckreiz, Gelbfärbung der Haut.

  • Schilddrüsenfunktionsstörungen, gelegentlich mit Ausbildung eines Kropfes.

  • Dämpfung: einige Antidepressiva machen nicht müde, andere können sogar leicht aktivieren. Die Mehrzahl aber dämpft die innere Unruhe. Das kann natürlich zu einer Beeinträchtigung der Wachheit führen (sogenannte Tagesmüdigkeit). Dies ist aber trotz allem sinnvoll, erzwingt die Dämpfung doch Ruhe und damit Regeneration und ermöglicht dadurch schneller die Reserven wieder auffüllen. Außerdem geht die Dämpfung im Laufe der Therapie von selber zurück.

  • Verwirrtheitszustände, besonders bei zu raschem Dosisanstieg, hohen Dosen allgemein sowie Kombination mehrerer Arzneimittel mit ähnlicher Wirkung: z. B. Antidepressiva und dämpfende Neuroleptika. Vor allem aber bei Vorschädigung des Kopfunfall, Gehirns (z. B. Gehirngefäßverkalkung) sowie im höheren Lebensalter.

  • Solche delir-artigen Verwirrtheitszustände beginnen häufig mit beunruhigenden Träumen, Angst, Umtriebigkeit, Herzrasen, schneller Atmung, Harnverhaltung, Darmträgheit, Temperaturerhöhung, mit warmer und trockener Haut, großen Pupillen und Rötung des Gesichts. Dazu Ratlosigkeit, Orientierungsstörung, manchmal Sinnestäuschungen im Bereich von Sehen, Hören und Fühlen.


    Psychiatrie:

    Die meisten Menschen werden noch keine Begegnung mit einer Psychiatrie gehabt haben. Einige denken an einen Ort, an dem gefängnisartige Zustände mit Zwangsjacken herrschen. Scharen von Wärter fallen über einen einzelnen durchdrehenden Patienten her und der diensthabende Arzt setzt dem Patienten eine Beruhigungsspritze, die den Durchdrehenden in eine rosafarbene Welt versetzt. Mit einem entspannten Grinsen im Gesicht wird der Patient vom Personal abgeführt und in ein Fixierbett gelegt, wo er langsam wieder zu sich kommt und nach einigen Stunden mit Schaum vor dem Mund um Freiheit schreit...

    Zu solch verzerrten Vorstellungen kommen nicht selten Moviefans, die zu viel Fantasie besitzen. Denn auch, wenn in beinahe jedem Film die Psychiatrie so dargestellt wird, enspricht es keineswegs der Wahrheit. Aus eigener Erfahrung kann ich dies nach zwei längeren Psychiatrieaufenthalten widerlegen.

    Auf dieser Seite möchte ich Euch die all gegenwärtigen Gerüchte vergessen lassen und aufklären, wie es wirklich abläuft.

    Psychiatrie - Was ist das eigentlich?

    Zunächst ist eine Psychiatrie ist eine Krankenhaus Abteilung, genau wie die Urologie es eine ist. Der Unterschied liegt im medizinischen Fachgebiet. Während sich die meisten Fachgebiete mit der körperlichen Gesundheit beschäftigen, geht es in der Psychiatrie schlicht und ergreifend um die Gesundheit der Seele, also der Psyche.

    Dieser Unterschied zeigt sich deutlich in der räumlichen Gestaltung. Während körperlich erkrankte Menschen die meiste Zeit im Bett an vielen Geräten angeschlossen verbringen, wird man in einer psychiatrischen Abteilung eher an eine Jugendherberge mit vielen Zimmern, einem Aufenthalsraum und einem Gruppenbesprechungsraum erinnert. Dieser Vergleich trifft es meiner Meinung am ehesten. Abgesehen vom ärtzlichen Untersuchungszimmer und dem Medikamentenzimmer dürfte es nur wenige Abweichungen geben.

    Die Struktur einer Psychiatrie ist in kleinere Unterabteilungen aufgeteilt, in denen die Patienten je nach Krankheitsbild untergebracht sind. Häufig ist die Einteilung der Stationen auch nach Schweregrad des Einzelfalls unterteilt. So wird ein depressiver, verschüchterter Patient nie oder in seltenen Fällen Kontakt zu randalierenden stark extrovertierten Patienten haben, geschweige denn sich ein Zimmer mit ihm teilen müssen.

    In der Psychiatrie, in der ich untergebracht war war die Einteilung in etwa wie folgt:

    Station P4 und P6 - offene Stationen, für Patienten die in einer "warmen" gesellschaftlichen Umgebung behandelt werden. Es herrscht ein familiärer Umgang der Mitpatienten untereinander. Patienten sollen an das eigenständige Leben wieder herangeführt werden. Häufig trifft man auch Patienten an, die in einer geschlossenen Station untergebracht waren und wieder seelisch soweit stabil sind, daß sie sich nicht Selbst oder Andere gefährden. In jedem Fall sind alle Patienten nicht akut suizidgefährdet. Oft findet man hier die unterschiedlichsten Menschen von Depressiven, Vergewaltigungsopfer, Psychosepatienten usw. . Hier werden die meisten Therapien durchgeführt und die Patienten haben regelmäßigen Ausgang. Patienten übernehmen Aufgaben, wie Küchendienst. Viele sind freiwillig.

    Station P7 - geschlossene Station für Patienten mit Suchtproblemen (Alkohol, Drogen jeder Art). Auf dieser Station herrscht große Disziplin. Patienten sind teils suizidal. Deswegen sind keine Kabel, Gürtel, Messer erlaubt. Schränke können nicht abgeschlossen werden. Es stehen Fixierbetten bereit. Hier wird der Alkohol und Drogenentzug durchgeführt. Oft polizeilich eingewiesene Patienten. Therapien beschränken sich auf wenige. Immer dabei eine Suchtherapie.

    Station P3 - geschlossene Station für Patienten, die oft gewaltbereit gegenüber sich und Anderen sind. Es herrscht weniger Disziplin. Patienten sind teils suizidal. Deswegen sind keine Kabel, Gürtel, Messer erlaubt. Schränke können nicht abgeschlossen werden. Es stehen Fixierbetten bereit. Oft polizeilich eingewiesene Patienten. Therapien sind selten und die medikamentöse Behandlung steht im Vordergrund.

    Ich war bei den Psychiatrie Aufenthalten auf Station P6 und P7 untergebracht. Beide Stationen sind unterschiedlicher, wie sie nicht sein könnten. Bezeichnungen der Stationen variieren. Im Grunde verbirgt sich dahinter aber immer eine der beschriebenen Stationen.

    Einen kleinen Absatz widme ich der Forensik. Der Unterschied zur Psychiatrie besteht darin, daß in einer Forensik psychisch erkranke Verbrecher einsitzen. Keines falls kommt man also mit solch gefährlichen Menschen in einer Psychiatrie in Kontakt. Menschen, die in einer Forensik einsitzen sind sehr zu bedauern und verdienen allesamt mein Beileid. Oftmals haben sie ihre Gewalttaten in einer Wahnvorstellung begangen, in der sie nicht in der Lage waren zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden.


    Wie geht eine Einweisung von statten?

    Einmal angenommen eines Tages seit Ihr Betroffen. Ihr leidet unter einer psychischen Krankheit und seit am Ende mit allen Nerven. Es gibt drei mir bekannte Wege in einer Psychiatrie aufgenommen zu werden.

    1. Die einfachste Variante: Ihr steht beispielsweise unter Drogen und tickt in der Öffentlichkeit vollkommen aus. Jemand ruft die Polizei. Die erfahrenen Polizeibeamten erkennen sofort, daß Ihr konsumiert habt. Sie haben das Recht Euch mitzunehmen und in der Psychiatrie einzuweisen. In diesem Fall wurde Euch die Entscheidung von den Polizeibeamten abgenommen. Denn Ihr habt nun keine freie Entscheidung darüber, wann ihr wieder aus der geschlossenen Station raus kommt. Gleiches gilt übrigens, wenn Ihr Euch selber umbringen wollt. Im Fall, daß Euch die Polizei rechtzeitig aufliest, steht der Einweisung nichts im Wege.

    2. Ihr geht zu Eurem Hausarzt und der entscheidet, über eine mögliche Tagesklinische Behandlung, bzw. stellt die Einweisung in die Psychiatrie aus.

    3. Ihr sucht den direkten Weg in die Psychiatrie. Dort bittet ihr um ein Gespräche mit dem diensthabenden Psychiater. Dieser entscheidet weiter, was mit Euch geschieht.

    Es sei gesagt, daß die meisten Patienten in einer Psychiatrie tatsächlich freiwillig sind. Wie bei mir gab es nur noch den Weg in die Psychiatrie oder den Freitod. Dann ist eine Psychiatrie der Beste Platz auf Erden. Es ist gut, daß es sie gibt.

    Um zurück auf die Einweisung in die Psychiatrie zu kommen sei gesagt, daß bei der Aufnahme des Patienten eine gründliche körperliche Untersuchung und Befragung durchgeführt wird. Dabei entscheider der Psychiater die weitere Vorgehensweise, vor allem auf welcher Station ihr aufgenommen werdet und ob eine mediakamentöse Behandlung sofort in die Wege geleitet wird. Dabei macht Ihr so gut es Euch möglich ist Angaben zu Eurer Person und dem Üblichen, was bei einer Aufnahme in ein Krankenhaus notwendig ist.


    Weitere Verfahrensweisen und Tagesablauf:

    Meist beginnt der Aufenthalt in dem Ihr Euch anderen Patienten vorstellt und aus Interesse der Anderen gefragt werdet, warum Ihr da seit. Nach kurzen Gesprächen werdet Ihr bald feststellen, daß Ihr nicht alleine mit Eurer Krankheit seit und die meisten Mitpatienten in Ordnung sind und Euch verstehen werden.

    Habt Ihr eine medikamentöse Einnahme begonnen, so kann es vorkommen, daß Ihr in der ersten Zeit mit Müdigkeit und der Eingewöhnung in der Psychiatrie und manchmal auch einem Heimweh zu kämpfen habt. Nach ein paar Tagen habt Ihr das Schlimmste überstanden. Immer wieder ist mir aufgefallen, daß neue Patienten in Tränen ausbrechen. Eine Psychiatrie ist eben kein Erholungsurlaub, sondern ein Ort, an dem man an sich arbeitet.

    Der Tagesablauf findet meist sehr gleich statt. Früh morgens werdet Ihr geweckt. Eventuell wird das Zimmer kontrolliert. Das Frühstück, wie auch die anderen Mahlzeiten nehmt Ihr in der Gemeinschaft mit den Mitpatienten wahr. Es ist zu sagen, daß zu den Mahlzeiten Anwesenheitspflicht herrscht. Nach dem Frühstück beginnt häufig eine Runde in der gesamten Gemeinschaft, in der Ihr nach Eurem Befinden befragt werdet. Oft werden auch Tagepunkte besprochen oder Informationen erteilt. Kurz darauf finden vormittags die meisten Therapien statt. Welche Therapien das sind und was dort gemacht wird findet Ihr auf meiner Homepage unter dem Thema "Depressionen" - Kapitel 6. Ihr werdet merken, daß das ganz schön erschöpfend ist und nachdem Ihr das Mittagessen eingenommen habt bleibt Euch eine Mittagsruhe. Danach finden wieder ein paar Therapien statt und der weitere Tagesablauf ist den Patienten innerhalb der Psychiatrie freigestellt. Man beschäftigt sich, so gut man kann und unterhält sich mit Mitpatienten. Wenn Du das Glück hast in einer offenen Station zu sein, dann wirst Du den Ausgang für Einkäufe oder Spaziergänge nutzen. Nach der Abendmahlzeit ist häufig noch einmal ein freier Ausgang, bei dem man sich nach Absprache und Abmeldung frei draussen bewegen kann.

    Ich habe Ausgänge häufig dazu genutzt, um mit dem Auto zu meiner Familie zu fahren, oder in meine Wohnung. Denn Privatsphäre hat man in der Psychiatrie nur auf der Toilette und gelegentlich im Patientenzimmer, das meist mit 2 oder 4 Betten ausgestattet ist.

    Sonstige Abläufe sind zum Beispiel die wöchentliche Visite, zu der man sich bei körperlichen Beschwerden eintragen kann. Aber auch kleine Projekte, wie ein gemeinsames Kuchenbacken gehören dazu. Diese Angebote sind unterschiedlich von Psychiatrie zu Psychiatrie. Ich habe es genossen gelegentlich mit Mitpatienten zu "kickern". Was mir fehlte war ein kleiner Fitnessraum. Denn man merkt schnell: Wer rastet, der rostet - oder wird gelegentlich fett.


    Psychatrische Diagnosen:

    Kommen wir zur Diagnose. Nach längerer Beobachtungsphase wird Euch Euer Psychiater eine Diagnose stellen. Heutzutage gibt eine einen sogenannten ICD-10 Code, nachdem alle Diagnosen augeschlüsselt sind. Alle Diagnosen hier aufzulisten wäre quatsch. Das Internet listet unter der "Googlesuche" alle erdenklichen Diagnosen nach ICD-10 Code. Ihr könnt Euch spaßeshalber ja mal meine Diagnosen samt Beschreibung im Internet anzeigen lassen.

    Hier die Diagnosen nach ICD-10, die meine Psychater mir im Laufe der Zeit gestellt haben:

    F 10.1 - schädlicher Gebrauch von Alkohol F 41.2 - Angst und Depressionen gemischt
    F 60.6 - abhängige Persönlichkeitsstörung
    F 60.7 - ängstliche Persönlichkeitsstörung
    F 60.8 - gemischte schwere narzißtische Persönlichkeitsstörung
    X 84.9! - Suizidalität

    Weitere häufige Krankheitsbilder sind: alle möglichen Formen von Schizophrenie, Psychosen, Depressionen, Boarderliner Syndrom, Suizid, Persönlichkeitsstörungen jeglicher Art, Alkohol- und Drogenmißbrauchsfälle usw.


    Die Entlassung aus der Psychiatrie:

    Wenn Ihr eine gewisse Zeit in der Psychiatrie behandelt worden seit, wird der Tag kommen, an dem Euer Psychiater Euch entlassen möchte. In allen mir bekannten Fällen wurde ein Wochenende vor der Entlassung der Patient in eine sogenannte Belastungserprobung geschickt. Darunter ist aber weder zu verstehen, daß Ihr irgendeiner Mutprobe unterzogen werdet, noch beweisen müßt wieviel Wodka Ihr herunterspülen könnt, ohne umzufallen.

    Die Belastungserprobung ist der vorsichtige Versuch, Euch für ein Wochenende nach Hause zu schicken und dort Euch selber überlassen zu sein. Ihr müßt also das Wochenende alleine klar kommen, ohne ärtzliche Aufsicht. Natürlich bleibt es Euch gewährt, wenn nichts mehr geht abzubrechen und zurück in die Psychiatrie zu gehen. Aber Ihr solltet schon versuchen die Belastungserprobung durchzuziehen, um zu sehen wo Ihr steht.

    Bestimmt werdet Ihr Euch zunächst zu Hause einsam fühlen, habt Ihr doch so viele neue Leute die letzen Wochen oder Monate um Euch herum gehabt. Aber auch das wird sich wieder legen. Irgendwann habt Ihr es dann geschafft. Dann ist der Tag X gekommen, an dem Ihr mit gepackten Taschen in der Tür stehen werdet und nasse Hände haben werdet. Ab jetzt seit Ihr wieder ganz alleine für Euch selber verantwortlich. Das ist sicher eine Umgewöhnung. Aber es geht. Ihr werdet in nächster Zeit bestimmt noch weiterhin psychatrische ambulante Hilfe in Anspruch nehmen. Auch wird die eine oder andere Psychiatrie ein Kaffeetrinken für Patienten und Ex-Patienten veranstalten.

    Ich nehme diesen Termin seit einem halben Jahr seit der letzten Entlassung wahr. Ich merke, daß es mir gut tut. Andere Menschen wenden sich dagegen von der Psychiatrie ab und lassen sich nie wieder blicken. Es steht Euch zum Glück frei zur Auswahl, was Euch am Besten tut.

    Ich wünsche Euch, daß Ihr niemals eine Psychiatrie in Anspruch nehmen braucht. Trotz allem hoffe ich, daß Ihr mit großem Interesse mitgelesen habt und das ich dem Einen oder Anderen eine Hilfe sein konnte. Kopf hoch...


    Fragen, Wünsche, Anhang

    Wenn ihr Erfahrungen mit mir Austauschen wollt oder schreiben wollt:

    joerg.dallmann@web.de

    Desweiteren möchte ich darauf hinweisen, daß Antidepressiva trotz der vielen Nebenwirkung ein Geschenk Gottes ist. Ich würde es immer wieder einnehmen. Es kann dabei vorkommen, daß man sich merkwürdig fühlt. Dies sollte kein Abbruch der Einnahme bedeuten, denn dann wird alles noch viel schlimmer.

    Antidepressiva macht nicht süchtig!

    Meine Medikamente und Dosierung:
    Antidepressiva: "Trevilor retard 75 mg" - 2 x täglich
    Beruhigungsmittel: "Taxilan 25 mg" - 3 x täglich
    Schlafmittel: "Zopiclon" - bei Bedarf

    Ich wünsche Euch viel Gesundheit. Denn dies ist das wichtigste Gut der Menschheit, selbst wenn diese Erkenntnis oftmals in den Hintergrund gerückt wird solange es dem Menschen gut geht.