Spinnen und mehr bei Jörg Dallmann

Wie alles begann: Am Jahresanfang 2008 bin ich durch einen Freund, der genau wie ich ein Faible für krabbelige Lebewesen hat auf die Idee gebracht worden selber Ameisen zu halten. Durch Zufall entdeckte er beim Stöbern den Berliner "Antstore" - einen Laden in Berlin mit Internetpräsenz, der nur vom Verkauf von Ameisenkolonien und Zubehör lebt. Überhastet, wie ich ihn kenne, hatte er sich natürlich gleich zwei Ameisenkolonien mit Zubehör bestellt. Ich fand das Ganze erst doch ein wenig merkwürdig, doch je mehr ich über Ameisen erfuhr, desto mehr begann ich mich für die Ameisenhaltung zu interessieren. Zugegeben, der Gute hat eine verdammt gute Art Dinge schmackhaft zu machen und Tage später sah ich mich selbst Nächte vor dem Computer verbringen, die Unterschiede, Nestvarianten und Ameisenarten studierend.
Eines kann ich Euch versprechen: Wer einmal mit der Haltung von Ameisen angefangen hat, der kommt nicht so schnell davon los. So ging es mir dann auch, als ich die typische Anfängerart Lasius niger, zu deutsch Schwarze Wegameise bestellt habe und alles bestens verpackt in einem Paket ankam. Natürlich machte ich mich gleich an die Arbeit alles herzurichten. Wie, das erfahrt Ihr hier noch ausführlich. In jedem Fall war ich hellauf begeistert und verbrachte seither unzählige Stunden mit meinen Ameisen. Ich glaube ich kann mich mittlerweile selber zu den Leuten mit Ahnung zählen. Ich bereue keine einzige Stunde, die ich damit beschäftigt war den Kleinen zuzuschauen und sie zu pflegen. Es ist einfach immer etwas los und sie vermehren sich explosionsartig. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig anstecken - nun folgt erst einmal die Therorie ;)
Ameisen sind wie Bienen staatenbildende Insekten. Sie kommen weltweit so gut, wie in jeder Region außer den Polkappen vor. Stark verwandt sind sie mit den Wespen. Es gibt sicher mehr Ameisenarten, als der Laie vermuten würde. In Deutschland sind die Schwarze Wegameise Lasius niger und die Rote Knotenameise Myrmica rubra am häufigsten anzutreffen. In südlicheren Regionen kommen auch Camponotusarten vor.
Ein Ameisenstaat besteht zunächst einmal aus ein paar sehr wenigen Ameisen, bishin zu einigen Millionen Individuen. In unseren Breitengraden sind meist jedoch nur Ameisennester mit 10.000 Individuen, manchmal auch mehr gegenwärtig. Eine Ausnahme stellt die vom Aussterben bedrohte Waldameise dar. Würde man ein Ameisennest ausgraben und untersuchen, so würde man feststellen, daß die große Masse aus Arbeiterinnen besteht. Sie bilden 99 % der Tiere im Ameisenstaat und es sind ausnahmslos Weibchen. Wenn man das Nest in den Sommermonaten ausgraben würde, so würde man auf einige zig bis hunderte geflügelte Ameisen treffen. Dies sind größtenteils Männchen, aber auch unbefruchtete Jungköniginnen. Zu den Männchen ist kurz zu erwähnen, daß ihre einzige Aufgabe darin besteht auszuschwärmen und eine unbefruchtete Jungkönigin im Flug zu begatten. Danach sind sie für den weiteren Verlauf nutzlos. Es handelt sich bei Ameisen eben um fast ausnahmslos einen Frauenstaat. Hier regieren die Frauen. Neben den Arbeiterinnen und den geflügelten Geschlechtstieren gibt es noch das Herzstück, der Motor, den Mittelpunkt im Ameisenstaat - die Königin. Meist viel größer, als die anderen Ameisen verbringt sie das gesamte Leben im Ameisennest und wird königlich umsorgt. Das hat den einfachen Grund, sie ist die Mutter aller Ameisen eines Staates. Eine Königin kann im Leben bei einigen tropischen Arten 20 Millionen Ameisen zur Welt bringen! Den Samen hat die Königin während des Hochzeitfluges für den Rest ihres gesamten Lebens erhalten und ein königliches Leben kann bis zu 30 Jahren dauern. In der Zeit legt die Königin Eier am Fließband. Sie ist nicht ohne Grund im Inneren der Kolonie sicher untergebracht vor Feinen und beschützt durch ihre Töchter.
Nun, was würde passieren, wenn die Königin stirbt? Folglich stirbt der gesamte Staat! Denn Arbeiterinnen werden meist nur bis zu 2 Jahre alt. Wenn keine neuen Eier gelegt werden ist 2 Jahre nach dem Tod der Königin der gesamte Staat gestorben. Ein Beispiel sind Lasius niger. Stirbt die Königin, dann ist bald alles vorbei.
Aber es gibt Ausnahmen! Jeder kennt die rote Gartenameise Myrmica rubra. Ich behaupte jeder ist im Leben schon wenigstens einmal von einer solchen bei uns heimischen Ameisenart gestochen worden. Sie findet man häufig in Gärten. Myrmica rubra ist in sofern eine Ausnahme, da sich in einem Myrmica rubra Staat nicht nur eine Königin finden läßt. Selten, daß unter zehn Königinnen anzutreffen sind! Ein solcher Staat kann bis zu 600 Königinnen beherbergen. Folglich ist es nicht weiter schlimm, wenn eine Königin stirbt. Es gibt immer geüngend Ersatzeilegemaschinen, die das Fortbestehen des Nestes sichern.
Aber warum ist das so? Das läßt sich auf die Nestgründungsart zurückführen: Während die schwarze Wegameise keine königliche Konkurrentin neben sich duldet und den Staat auf eigene Faust gründet, kommt es bei den Myrmica rubra vor, daß sich mehrere Königinnen zusammenschließen. Sie haben absolut nichts gegen eine gemeinschaftliche "Herrschaft". Oft kommen im Laufe der Koloniejahre sogar nich zugewanderte Königinnen hinzu, die gierig adoptiert werden.
Nun müßte der Laie sagen: Wenn die Roten soviele Königinnen haben, dann müßten sie die Schwarzen doch unterdrücken und aus ihrem Lebensraum verdrängen. Außerdem besitzen die Roten einen Giftstachel, den die Schwarzen nicht besitzen (artenabhängig). Die Natur hat es dafür so eingerichtet, daß die roten Knotenameisen Myrmica rubra nicht so viele Eier produzieren. Ein Staat in dem 20.000 Myrmica rubra unter der Herrschaft von 600 Königinnen leben trifft im Gegenzug auf eine Anzahl von bis zu 40.000 Lasius niger und nur einer Königin. Diese bringt einfach mehr Eier zum Vorschein. Es ist gegenüber den Myrmica rubras eine reine Eierlegemaschine.
Um sich in den Foren und Threads über Ameisen zurecht zu finden bedarf es ein wenig Fachchinesisch. Es ist aber nicht viel und man hat es sehr schnell drauf, wenn man sich ein wenig damit befasst. Vorhin erwähnte ich die ganze Zeit das Wort: "Königin". In Foren wird man meist wenig von Königinnen lesen. Ganz einfacher Grund: Die Fachwelt redet von "Gynen". Normale Arbeiterinnen werden oft auch als "Workerinnen" bezeichnet.
Vorhin erwähnte ich, daß Lasius niger immer nur eine Königin (Gyne) aufweisen. Diese Eigenschaft der Art nennt man auch: "monogyn". Mono= 1, Gyne= Königin. Myrmica rubra dagegen sind: "polygyn" (poly = mehrere). Das sollte denke ich zunächst erst einmal genug zum einprägen sein. Die gründungsartspezifischen Wörter wollen uns erst einmal nicht interessieren.
Öfters wird man den Artennamen immer wieder begegnen. So sollte man sich z.B. Lasius, Myrmica, Camponotus einprägen. Die bekannten Blattschneiderameisen trifft man vorwiegend in der Art "Atta" an. Atta und andere exotischen Arten kann man zunächst erst einmal verdrängen. Die Haltung solcher tropischen Arten ist etwas für Profis, zu denen auch ich mich noch nicht zählen kann. Europäische Arten sind schon für viele Anfänger schwierig genug zu versorgen.
Ich gehe also davon aus, daß ich Euer Interesse wecken konnte, wenn Ihr es bis hier hin geschafft habt. Nun ist es an der Zeit Euch für eine Art zu interessieren. Das geht am Besten so: Ihr besucht Antstore.net im Internet und bekommt einen Schock. So viele Ameisenarten! von 1,80 Euro bis über 300 Euro ist viel dabei, von einheimischen, über südeuropäische bis hin zu den exotischen Arten.
Am Besten Ihr geht so vor: exotische Arten sind viel zu kompliziert als Anfänger. Die südeuropäischen und die einheimischen Arten sind einiges leichter zun halten. Südeuropäische Arten halten wesentlich weniger Leute, als einheimische. Ihr erfahrt also wenn Ihr Hilfe braucht mehr über einheimische Arten. Gerade als Anfänger ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Nun sind wir unter den europäischen oder einheimischen Arten. Da gibt es immer noch eine ganze Menge an Auswahl! Am Besten schaut Ihr Euch alle einmal genau durch. Ihr sehr welche Arten Euch reizen würden und welche Euer Herz nicht zum schmelzen bringen. Dann habt ihr irgendwann einen Favouriten. Der Preis entscheidet sicher, aber auch die Verfügbarkeit. Manchmal müßt Ihr bis zum nächsten Schwarmflug warten, bis der Shop die gewünschte Ameisenkolonie wieder vorrätig hat. Also fällt die Wahl nur noch auf die verfügbaren Arten. Nun ist es Eure Entscheidung. Lest Euch ein über die jeweilige Ameisenart, die Euch interessiert und dann seit Ihr ganz sicher genügend geschult, um als Halter zu fungieren.
Meine Empfehlung an Euch: Lasius niger oder Myrmica rubra. Beide Arten vermehren sich schnell und verzeihen Fehler in der Haltung. Die perfekt Art um zu starten. Ich kenne einen Ameisenhalter, der mit Camponotus ligniperda anfing, selbst in einem Zooladen arbeitet und irgendwann das Hobby resigniert hingeschmissen hat, da die Gyne einfach keine Eier legen wollte. Das ist sicher bezeichnend für Camponotus Arten. Ihr braucht eine Menge Geduld. Und während die Myrmica und Lasius schon fleißig wuseln seht Ihr noch die Gyne mit 3 Arbeiterinnen gelangweilt an.
Alle Entscheidungen abgenommen, jetzt geht es an die Bestellung! Aber eine Gyne mit wievielen Arbeiterinnen? Antstore bietet unterschiedliche Koloniegrößen an. Ihr entscheidet, ob Ihr mit einer Gyne beginnen wollt oder schon 50 Arbeiterinnen dabei sein sollen. Am Besten kennt Ihr Euch selber. Wieviel Geduld habt Ihr? Wollt Ihr das erste Haltungsjahr abwarten, bis 10 Arbeiterinnen geschlüpft sind, um im 2. Haltungsjahr richtig loszulegen? Oder wollt Ihr die Ameisen in die Farm knallen und es soll von Beginn an nur so wuseln? Wenn Ihr mich fragt sind beide Varianten unvorteilhaft. Ich habe mit einer Lasius niger Gyne + etwa 10 Arbeiterinnen angefangen. Das ist nicht zu viel, daß Ihr meint die entscheidende Phase verpasst zu haben und auch nicht zu wenig, daß Ihr die Gyne für steril halten werdet. Ja! 5 bis 10 Arbeiterinnen sollten es sein.
Ihr wißt jetzt welche Art es sein soll, aber wie soll diese gehalten werden? Wie macht man es den Tieren möglichst angenehm? Welche Becken sind erforderlich? Gehen wir die Haltungsmöglichkeiten durch:
Da gibt es das Y-Tong Nest. Ein Y-Tong-Stein wird in Eigenarbeit so ausgehöhlt, daß die Ameisen später darin nisten sollen. Dies ist bestimmt eine der verbreitetsten Varianten von Nestern. Allerdings solltet Ihr bei Verwendung eines Y-Tong-Nestes schon Erfahrung in der Ameisenhaltung haben. Ihr müßt wissen, was für Kammern ihr anlegt, wie die Bewässerung umzusetzen ist, wie fest Schläuche sitzen müssen usw. Kurz gesagt: Ich empfehle diese Variante keinem Anfänger. Meist benötigt man 2 bis 3 Versuche, bis ein funktionstüchtiges Y-Tong-Nest fertig ist, daß allen Anspüchen des Halters und der Ameisen genügt.
Ebenso verhält es sich mit allen anderen selbstgebauten Nestvarianten. Was also tun, um sicher zu gehen, daß die Ameisen Euch nicht ausbüchsen und sich trotzdem wohlfühlen? Die Antwort: Bestellt ein Formicarium in Form einer Farm und einer Arena. Wieder dieses Fachchinesisch. Formicarium wird das Behältnis allgemein genannt, in dem die Ameisen Ihr Nest haben. In unserem Fall ist dies eine Farm. Das sind 2 Glasplatten mit einem Abstand von etwa 1 cm. Im Innenraum sollen die Ameisen einmal leben. Die Anschlüsse dienen dazu mit einem Schlauch die Farm mit der Arena zu verbinden. Die Arena ist der Ort, an dem die Ameisen gefüttert werden. Es ist ein simpler Glaskasten mit Gazegitter und Schlauchanschluss.
Zusammenfassend zu sagen ist also: Farm, darin leben die Ameisen - Arena = Futterstelle (hat manchmal auch ein wenig etwas von den Arenen im alten Rom, wenn die Ameisen auf Futtersuche gehen)
Nun habe ich Euch einmal ein Modell aufzeichnet. Das sollte leichter verständlich sein. Links seht Ihr also die Farm. Ihr füllt zunächst Seramis ein (hält Feuchtigkeit). Dann schneidet Ihr einen Strohalm oder feinen Schlauch zurecht, damit dieser als Drenageschlauch zum Befeuchten des Substrates dienen kann. Jetzt den Drenageschlauch seitlich senkrecht aufstellen und das Sand-Lehm-Gemisch einfüllen. Dabei muß der Kopf vom Schlauch aus dem Gemisch ragen. Es ist ja Euer Drenageschlauch, der dazu dienen soll Wasser nach ganz unten zu bringen. Dies kann etwas Fingerspitzengefühl erfordern. Wenn das Sand-Lehmgemisch eingefüllt ist solltet Ihr die gesamte Farm ein wenig von links nach rechts schwenken. Das bringt das Gemisch dazu sich zu verdichten. Kleine Lücken werdn geschlossen, das Gemisch legt sich. Wenn viel nach gerutscht ist, könnt Ihr noch einmal mit Sand-Lehmgemisch auffüllen. Ansonsten habt Ihr den schwierigsten Teil geschafft. Nun kommt noch ein Wattebausch auf den Drenageschlauch (damit die Ameisen nicht in den Bewässerungsschlauch krabbeln). Die Farm wird nun oben mit Parifinöl eringestrichen. Dies verhindert, daß beim Öffnen der Farm die Ameisen nach draussen klettern und entkommen. Man sagt auch Ausbruchsschutz dazu. An der Farm kommen jetzt nur noch ein Gummipropfen und ein Anschlussschlauch am anderen Ende. Dann widmet Ihr Euch der Arena. Sie kann je nach Größe ein wenig kunstvoll hergerichtet werden. Ich verwende weißen Saharasand in der Arena und Spielereien gibt es sonst auch keine. So lassen sich die Ameisen viel besser (Kontrast) beobachten, als wenn man dunkle Erde in die Arena füllen würde und Versteckmöglichkeiten on mass anbieten täte. Ihr könnt noch die Fressschalen reinstellen und eine Vogeltränke verwenden. Das reicht auch schon. Wieder macht ihr Parifinöl innen, oben drauf, damit beim ständigen Öffnen der Arena nicht Ameisen entkommen. Parifinöl ist sehr sicher. Ich verwende es auch schon seit Beginn. Nun macht Ihr noch den Gummipfropfen auf die eine Öffnung der Arena und den Schlauch schließt Ihr am anderen Ende der Arena an. Nun habt ihr also Euer gesamtes Formicarium eingerichtet und Farm und Arena miteinander verbunden. Herzlichen Glückwunsch - nun seit Ihr Ameisenhalter!
Wenn Ihr hier angelangt seit, so ist es an der Zeit die Ameisen ins Spiel zu bringen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Ihr legt das Reagenzglas mit den Ameisen in die Arena und hofft, daß es Ihnen schnellst möglich in der tollen Farm besser gefallen wird, als im Reagenzglas. Das hat den Vorteil, daß Ihr in Ruhe sehen könnt, wie immer wieder einzelne Arbeiterinnen das Reagenzglas verlassen, um die Arena und die Gegend auszukundschaften. Allerdings kann es durchaus bei 1 Gyne + 10 Arbeiterinnen sehr lange dauern, bis dies soweit ist. Es gibt einige Ameisenhalter, die trotzdem auf diese schonende Variante schwören.
Ich bin allerdings ein Sadist. Ich kloppe die gesamte Belegschaft einfach heraus, in die Arena hinein samt evntueller Brut. Meiner Meinung macht das (den Anfängerarten) überhaupt nichts aus. Natürlich herrscht erst einmal etwas Panik um die Gyne und die Arbeiterinnen laufen wie wild durch die Arena. Aber Ameisen sind in hunderten Millionen Jahren nicht so einfach eingegangen und sie sind extrem robust. Eine kleine Gewaltaktion, bei der sie das Nest wechseln müssen und sich ein Neues suchen müssen geschieht in der Natur öfter als man denkt. Und bisher hat es nie mehr als 2 Stunden gedauert, da sind die verwirrten Arbeiterinnen samt Gyne in das neue Nest in der Farm eingezogen und die Ruhe ist schnell zurück gekehrt.
Sollte Eure Kolonie im Reagenzglas um die 10 Arbeiterinnen groß sein, könnt ihr also ruhig in die Arena kloppen. Es ist wirklich ok. Wenn die Kolonie im Reagenzglas 50 oder mehr Arbeiterinnen beträgt, laßt sie selber einziehen. Das wird schnell gehen, bis die Farm als attraktiver deklariert wurde. Solltet Ihr nur eine Königin ohne oder mit 1- 3 Arbeiterinnen bestellt haben, so könnt Ihr erst einmal die Tiere im Reagenzglas gesperrt lassen. Vielleicht könnt Ihr die Kolonie im Reagenzglas im ersten Jahr überwintern lassen. Es wäre Quatsch eine so junge Kolonie zum Umzug zu zwingen, zumal das Reagenzglas noch vollkommen groß genug ist.
Die Fütterung gestaltet sich wie folgt. Wenn Ihr nicht gerade Euch körnerfressende oder Blattschneiderameisen bestellt habt, gilt: die wichtigste Nahrungsquelle von Ameisen besteht aus Eiweißen, also tierischem Futter und zuckerhaltiger Nahrung. Bestens bewährt hat es sich bei mir die Ameisen mit Honig zu füttern, den man in eine kleine S9chale bereit stellt. Mit der Pipette gibt man noch ein paar Tropfen Wasser hinzu, damit der Honig etwas dünner wird. In Sachen tierischer Nahrung sind erstmal wenige Grenzen gesetzt. Es werden so ziemlich alle eiweißhaltigen Insekten verspeist. Ich nehme am liebsten Heimchen, aber auch Maden, Larven usw. werden gerne verfüttert. Beim Anbieten der Nahrung bei noch kleinen Kolonien sollte man den Ameisen helfen. Ich zerschneide das Heimchen in paar Teile, damit die Ameisen das Heimchen einfach von innen ausfressen können. Für die Ameisen ist es nämlich nicht so leicht durch den Chitinpanzer des Heimchens zu dringen.
Eigentlich zerlege ich jede tierische Beute. Alles außer frisch gefangene Fliegen wird von mit zerstückelt. Fliegen üben auf Ameisen eine riesige Anziehung aus. Ich kenne kein tierisches Futter, daß lieber genommen wird als schwache und flugunfähige Fliegen. Wer den Tumult schon einmal erlebt hat, wird mir zustimmen. Ein Beispiel: Die Myrmica rubra Kolonie, die ich täglich mit 2 großen Heimchen füttere hat 15 Schmeißfliegen an einem Tag zerlegt bekommen. Ich habe nichts mehr von den Fliegen gesehen. Ach ja, es sind aber auch über 1200 Arbeiterinnen und mehr als 30 Gynen ;)
Das Futter sollte man je nach Koloniegröße alle 1 bis 2 Tage (bei kleinen Kolonien seltener) anbieten. Honig wird von mir jeden Tag neu gegeben. Die Ameisen gehen nur solange daran, wie er flüssig ist. Die Schale wasche ich jeden Tag erneut aus.
Wer sich informiert hat, wird herausgefunden haben, daß Lasius niger Blattläuse züchtet, melkt und verspeist. Ich habe den Versuch mit meinen Lasius niger und mehreren hundert Blattläusen auch gemacht. Kein Problem, Laus für Laus wird schön säuberlich aufgelesen und zum verspeisen in die Farm geschleppt. Allerdings sieht sie Arena nachher aus wie Sau. Im Parifin kleben Läuse, die Scheiben sind von den Ausscheidungen der Blattläuse voll. Ich würde mir das ersparen. Wer die Bilder trotzdem sehen will, geht auf meinen Haltungsbericht von Lasius niger.
Die meisten Haltungsfehler, die mir passiert oder selbst bekannt sind, hier einmal kurz erzählt, damit ich Euch eventuell vor den Selbigen bewahren möge.
Bewässerung: Die Bewässerung ist eine schwierige Sache. Es dauert, bis man ein Fingerspitzengefühl entwickelt hat. Deswegen plädiere ich auch zu den Anfängerarten Lasius niger und Myrmica rubra. Diese sind relativ robust und bei einer zu trocknen oder feuchten Haltung beginnt nicht gleich ein Massensterben. Was mir anfangs passiert ist, war das ich viel zu feucht gehalten habe. In der Farm konnte man das Seramis feucht erkennen und schon beinahe am Schwimmen. Die Befeuchtungsintervalle von Farm zu Farm, von Standort zu Standort und Wohnung zu Wohnung mitunter sehr unterschiedlich. Ich kann gar kein Patentrezept in Tagen und Millilitern geben. Allerdings sollte man immer mal darauf auchten, daß das Seramis feucht erscheint. Manchmal liegt auch etwas Tau an den Farmscheiben auf Höhe des Seramis. Dann solltet Ihr nicht mehr bewässern. Wartet ab. Wenn das Seramis nach Wochen immmer trockner Wird kann man mal wieder eine Pipettenladung Wasser in den Drenageschlauch geben. Am nächsten Tag wieder kontrollieren und jeden Tag eine Pipette in den Drenageschlauch geben, bis das typisch feuchte Seramis erkennbar wird und sich erster Tau an den Scheiben niederschlägt. Dann wieder mit der Bewässerung aufhören und abwarten. Mit dieser Schiene fahre ich sehr gut. In jedem Fall habe ich die Ameisen am Anfang viel zu feucht gehalten. Das passiert nun nicht mehr.
Überwinterung: Ein wichtiger Aspekt ist eine artegerchte Überwinterung. Die Ameisen, die aus mitteleuropa stammen, benötigen 6 Monate Winterpause bei 6-8 Grad Celsius im Kühlschrank. Dies ist weder schädlich noch ungewöhnlich, denn in der freien Natur verbringen unsere einheimischen Arten den Winter eingegraben und in einer Ruhephase bei selbiger Temperatur. Eine Haltung ohne Winterpause ist eher schädlich. Eine solche Kolonie wird schneller sterben, weil sich die Tiere nicht erholen können und er Biorythmus umgeschmissenn wird. Deshalb sollte die Überwinterungszeit von 6 Monaten von Oktober bis März unbedingt eingehalten werden. Etwas anderes ist es bei den südeuropäischen Arten und besonders bei den tropischen, die nur eine Temperaturabsenkung bzw. gar keine Winterruhe benötigen.
..daß in Venezuela es einem Forscherteam gelungen ist ein Nest von Blattschneiderameisen mit Beton zu füllen? Nach Tagen war das Nest endlich mit Beton gefüllt. Nach weiteren Wochen wurde ein 50 qm2 großes Ameisennest, daß 8 Meter in die Erde ragt ausgegraben. In etwa 20 Millionen Blattschneiderameisen sollen in diesem gigantischen Nest gelebt haben. Video dazu
..daß die Treiberameise, auch bekannt als Siafu in Afrika für die Menschen ein Segen ist? Wenn ihre Felder von Schädlingen befallen sind und Siafu ins Land ziehen, dann bleibt kein Insekt am Leben. Allerdings werden auch Hühner gefressen, wenn sie keinen Ausweg haben (Zb: im Hühnerstall). Es soll Berichte geben, in denen auch behauptet wird, daß wehrlose Säuglinge bis auf die Knochen aufgefressen haben.
..daß wenn afrikanische Treiberameisen umziehen (sie sind Nomden) es ganze 4 Tage braucht von der Ersten Ameise bis zur Letzten in der Karawane. Auch hier kommen bis 20 Millionen Ameisen vor.
..daß der männliche Siafu die größte Ameise der Welt ist? Mit fast 5 cm Körpergröße trägt er Spermien für 20 Millionen Nachkommen in seinem Körper.
...daß weltweit alle Ameisen zusammen genommen mehr Nahrung verspeisen, als alle übrigen Fleischfressenden Tiere die auf dem Globus leben!
..daß die australische Bullet Ant so heißt, weil ein Stich von Ihr in etwa so weh tun soll, wie der Schuß aus einem Gewehr. Menschen können sogar in ernstahfte lebensbedrohliche Schwierigkeiten geraten, wenn sie anfällig sind.
..daß die kleinste Ameisenart (Themnothorax nylanderi) das Gegenteil zu den Bevölkerungsstarken Treiberameisen und Blattschneiderameisen darstellt? Eine gesamte Kolonie Themnothorax ist mit etwa 100 bis 200 Individuen vollkommen ausgewachsen. Sie leben mitunter in morschen Eicheln. Dort ist die gesamte Kolonie untergebracht. Die gesamte Kolonie ist so groß, wie die Gyne anderer groß werdender Riesenameisen.
..daß Ameisen sich in Form von Hormondrüsen untereinander verständigen?
..daß einige Ameisenarten Sklaven halten, die sie von einer verwandten Art als Brut stehlen?
..daß es tropische Ameisen gibt, die in der Blüte von fleischfressenden Pflanzen nach Nahrung tauchen? Alle Tiere, die eine solche Kanne fallen sind verloren. Bis auf diese Kannenameise. Sie geht über den rutschigen Rand und taucht in der Verdauungsflüssigkeit der Kannenpflanze. Dabei hält sie als Entschädigung die Pflanze von Ungeziefer, die die Pflanze anfressen könnte an Stengeln und Blättern frei.
..daß Myrmikologen nichts anderes machen, als Ameisen zu erforschen? Ein Traumjob!
..daß es selbst bei uns in Deutschland nur so von Ameisen wimmelt? Selbst in Großstädten übetrifft die Zahl der Ameisen, die zwischen den Gehsteigplatten wohnt die Bewohner ihrer Stadt um das vielfache.
..daß Ameisen das 100-fache ihres eigenen Gewichtes tragen können?
..daß es sie schon seit 50 Millionen Jahren auf der Erde gibt?
..daß eine Kolonie von 100.000 Ameisen im Jahr etwa 10 Millionen Insekten vernichtet?
..daß Treiberameisen im rechten Winkel eine Gegend bejagen? So ziehen sie los, ohne dieselbe Gegend zweimal zu bejagen? Wenn sich der Kreis schließt ziehen sie an eine andere Stelle, wo sie die Winkeljagd wiederholen usw.
..daß in der Stadt Hobatt 1 mal pro Woche der Rettungswagen wegen Stichen der Jackjumper Ameise gerufen wird?
..daß ein Männchen der afrikanischen Treiberameise "Siafu" Sperma für 560 Millionen Nachkommen in sich trägt?
..daß in der Verbreitungsgebieten der Siafu behauptet wird, sie würden in nur einem Tag ein Pferd bis auf die Knochen abnagen können?